In einem (selbst)ironischen Vorspann erläutert Thomas Köck nachdrücklich, dass "Isabelle H. (geopfert wird immer)" nur auf der "großen Bühnen" gezeigt werden dürfe; "für Studiobühnen, kleine Boxen, Werkstattbühnen und andere theatrale Abfallentsorgungskatalysatoren" hingegen "auf alle Zeiten gesperrt" sei. Und an das Publikum ergeht die Aufforderung: "Denken Sie an Europa! Genau! Ja!"

Mit diesem auf Video eingespielten Text beginnt auch Felix Hafners Inszenierung des mit dem Else Lasker-Schüler-Preis ausgezeichneten Stückes, das nun einige Monate nach seiner Uraufführung am Pfalztheater Kaiserlautern im kleinen Haus des Volkstheaters in einer Koproduktion mit dem Max Reinhardt-Seminar auf dem Programm steht.

Zwei traumatisierte Menschen haben sich inmitten von Sandsäcken in einer Lagerhalle (Bühne: Camilla Hägebarth) verbarrikadiert: Daniel C. (Christoph Rothenbuchner) war als Soldat in Afghanistan im Einsatz, die junge, als Terroristin gesuchte Frau (Katharina Klar) - eine illegale Immigrantin - beharrt darauf, Isabelle Huppert zu heißen. Doch sie gibt ihre Herkunft nicht preis, obwohl sie, wie es scheint, auf gefährlichen Fluchtwegen in ein Europa gelangt ist, wo in Lastwagen gepfercht Menschen sterben und die "Wüste" bedrohlich näher kommt.

Thomas Köck, 1986 in Steyr geboren und derzeit Österreichs meistgefragter Jungdramatiker, erzählt die Geschichte in fragmentarischen, aussagestarken Bildern in Rückblenden. Und Hafner verdeutlicht den Wechsel der kunstvoll verschachtelten Zeitebenen durch gekonnte Beleuchtungseffekte.

Krieg und Trauma

Von Daniel C. erfährt man immerhin, dass ihn nicht - wie seine Umwelt vermutet - Kriegserlebnisse aus der Bahn geworfen haben. Hat er doch seine Zeit in Afghanistan im Lager verbracht und vom Land außer dem Weg vom und zum Flughafen nichts gesehen. Dass er die allabendlichen Vergewaltigungen durch seine eigenen Kollegen nicht vergessen kann und vor Berührungen zurückschreckt, gesteht er weder sich selbst noch seinem nun als Psychiater tätigen Jugendfreund (Max Gindorff) ein.

Was es hingegen mit der - vielleicht von Daniel als Geisel benützten und ermordeten - Isabelle H. auf sich hat, bleibt in der Schwebe. Köck bringt jedenfalls in seinem - bereits 2012 entstandenen Text - so gut wie alle Probleme des Europas von heute zur Sprache, lässt aber durch Illusionsbrüche auch erkennen, dass Theater keine Bewältigungsinstanz sein kann. Dass Hafner die Theatralität durch Einspielungen englischsprachiger Interviews von Isabelle Huppert noch verstärkt, ist eine andere Sache.

Ein schauspielerisch brillanter, Erinnerungen an Simon Stephens "Motortown" weckender, zum Weiterdenken anregender Theaterabend war es allemal.