Aber was ist schon eine Stunde Theater gegen die Welt da draußen? Intendant und Regisseur Stephan Rabl hat viel für das heimische Kinder- und Jugendtheater bewirkt. - © Luzia Puiu
Aber was ist schon eine Stunde Theater gegen die Welt da draußen? Intendant und Regisseur Stephan Rabl hat viel für das heimische Kinder- und Jugendtheater bewirkt. - © Luzia Puiu

"Wiener Zeitung": Seit 25 Jahren sind Sie ein Pionier in Sachen Kindertheater. Vor 13 Jahren haben Sie den Dschungel im Museumsquartier gegründet. Welche Anfangshürden mussten Sie nehmen?

Stephan Rabl: Das erste Jahr war schon anstrengend. Zuvor hatte ich Festivals und Events veranstaltet, aber ein täglicher Theaterbetrieb war für mich Neuland. Wir mussten erst Strukturen und Kommunikationswege aufbauen und vor allem: Wir mussten unser Publikum finden. Das war kräfteraubend.

Diese Spielzeit ist Ihre letzte Saison als künstlerischer Leiter des Dschungel, Corinne Eckenstein wird Ihre Nachfolgerin. Ihr Resümee?

Ich blicke mit einer Mischung aus Freude, Glück und Stolz zurück. Natürlich war ich von Anfang an vom Konzept überzeugt, aber ob die Ideen in der Realität bestehen werden, konnte ich nicht wissen. Im Grunde ist alles aufgegangen: Wir haben ein interkulturelles, interdisziplinäres Ensemble, wir bieten sämtliche Sparten von Tanz über Musik bis Sprechtheater, unsere Aufführungen reisen um die ganze Welt.

Wie ist das Verhältnis zum Theater der Jugend, einer Traditionsbühne mit starker Abo-Struktur?

Am Anfang gab es von beiden Seiten eine gewisse Sorge, ob Wien ein zweites Haus für junges Publikum verträgt. Aber beide Bühnen konnten wachsen. Großartig. Es gibt jetzt mehr Vielfalt, Kinder und Jugendliche können eine breitere Palette szenischer Ausdrucksformen kennenlernen. Das Ziel sollte doch sein, dass für sie das gleiche Angebot geschaffen wird wie für Erwachsene. So gesehen, gibt es in Wien noch viel Spielraum.

Ihre nächsten Premieren richten sich an Kinder ab zwei und vier Jahren. Wo liegen Chancen und Risiken im Bühnenspiel für die Allerkleinsten?

Ein so kleiner Mensch hat noch keinen Begriff von Theater. Der ganze kulturelle Überbau, die Konventionen sind irrelevant. Das eröffnet einen Freiraum. Man kann sehr abstrakt arbeiten. Für ein Kleinkind ist alles real, es geht um jeden Moment. Dadurch entsteht aber auch eine andere Konfrontation mit dem Künstler. Als Künstler ist man auf sich selbst zurückgeworfen. Für mich hat das viel mit dem Ursprung der Kunst zu tun. Das ist reizvoll.