Kinder, die Böses beobachten, können manipuliert werden, damit sie das Erlebte als harmlos oder sogar als positiv deuten: Frisches Blut stammt von einem Hund, geschlagen werden nur Verräter. Auch künstlerisch tätigen Menschen geht es mehr um den Kampf gegen Korruption in ihrem Betrieb und um die eigene Anerkennung als um Humanität: Während misshandelte, halbnackte Menschen mit tollen Hutkreationen auf dem Kopf zur Hinrichtung schreiten, tauschen die Hutmacher Zärtlichkeiten aus. Und im globalen Krieg geht es, angesichts ständig wechselnder Allianzen, vor allem um die Frage: Wer steht gerade auf meiner Seite?

So lassen sich, sehr gerafft, die Aussagen der drei Teile des Kurzdramas "In weiter Ferne" der gefeierten britischen Autorin Caryl Churchill zusammenfassen. Drei Personen tragen das Werk. Die junge Joan der begabten Johanna Wolff zeigt schreckhafte und nachdenkliche Züge. Als ihr Kollege und Mann Todd schwankt Matthias Mamedof gekonnt zwischen Aufbegehren und Anpassung. Der hintergründige Horror des Stückes ist bei Inge Maux als Tante Harper in den besten Händen.

Die Inszenierung von Ingrid Lang im Theater Nestroyhof/Hamakom zeigt eine kalte Welt, lässt aber auch relativ kalt. Das Anliegen des Dramas wird verständlich, aber ohne große Beteiligung der Gefühle. Wenn davon die Rede ist, dass das Wetter auf Seiten der Japaner ist, wie sich lettische Zahnärzte verhalten und ob Rehe oder Krokodile als Verbündete oder Feinde zu betrachten sind, lässt das Theater des Absurden laut grüßen.

Theater

In weiter Ferne

Theater Nestroyhof/Hamakom

Wh. bis 23. April