Eine Frage der Gefühle: Tänzer agieren bewusst nüchtern, um den Zuseher einzubeziehen. - © S. Haas
Eine Frage der Gefühle: Tänzer agieren bewusst nüchtern, um den Zuseher einzubeziehen. - © S. Haas

Es dreht sich um einen Esel. Und dann doch nicht. Es geht um die Schlusssequenz eines Films. Und dann doch nicht. Nikolaus Adler springt zwischen Filmset und realen Szenen hin und her. Die Übergänge fließen. "Balthazar" nennt der Wiener Choreograf sein jüngstes Werk. Am Donnerstag im Theater Nestroyhof Hamakom kam es zur Uraufführung.

Adler verwendet die Schlussszene von Robert Bressons Filmklassiker "Au hasard Balthazar" (1966) als seine Inspirationsquelle: Inmitten einer Herde Schafe wird der Esel Balthazar erschossen. Gemeinsam mit seinen Performern kreierte der Choreograf ein Tanzstück, das sich an Bressons ästhetischer Theorie der Modelle orientiert: Die Tänzer zeigen keine Gefühle. Sie agieren nüchtern. Der Zuschauer kann im so geöffneten Raum seine eigenen Emotionen entwickeln. Die Performer (Laura Fischer, Katharina Illnar, Pauline Stöhr, Etienne Aweh, Ardee Dionisio und Florian Pizana) agieren mit fast starren Gesichtern, aber lebendigen Augen. Sie setzen ihre Körper aktiv ein, wenn nicht gar hyperaktiv. Jeder einzelne zeigt starke Bühnenpräsenz und Technik. Adler gelingt es, diese in sein bis ins kleinste Detail durchdachtes Gesamtbild aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Nichts überlässt er dem Zufall: Mit Lichtregie, Kostüme (Moana Stemberger) und Musik (Martin Klein) erzeugt Adler Bilder im Kopf des Zusehers: Einmal sind die szenischen Codes einfacher zu entschlüsseln, etwa, wenn Slapstick die humorigen Szenen beherrscht. Das andere Mal ist das Publikum gefordert, sich geistig mit dem Bühnengeschehen und dem Bewegungsmaterial auseinanderzusetzen. Das gelingt dem Tanzaffinen, aber nicht immer. Selbst dann kann man sich zurücklehnen und Tanz auf hohem Niveau genießen.

Performance

Balthazar

Von Nikolaus Adler

Theater Nestroyhof Hamakom

Wh.: 30. April, 4., 6., 7. Mai