Sechs Tänzer und ein Musiker-Trio, eine nur mit violettem Teppich und einem schwarz glänzenden Tanzboden ausgelegte Bühne: Mehr braucht die US-amerikanische Starchoreografin Meg Stuart nicht, um ein Megaspektakel zu inszenieren.

"Until our hearts stop" verursachte am Wochenende im Tanzquartier Wien zwar keinen Herzstillstand bei den Zuschauern, aber es gelingt Stuart, diese auf eine emotionale Hochschaubahn zu schicken: Die Performance fasziniert, sie an- und berührt, sie verstört und sie ist immer wieder komisch - ein Stilmittel, um überschrittene Grenzen spielerisch abzuschwächen. Dass das Genre Tanz mit dem Theater verschwimmt, ist keine Neuigkeit. Aber wie Meg Stuart hier die Grenzen der Liebe auslotet, ist absolut schonungslos.

Es beginnt als zärtliches Annähern durch beschnuppern und berühren der Körper. Die sechs Performer umkreisen einander, stecken ihre Nasen in intime Bereiche. Was behutsam beginnt, erlebt im Lauf des Abends ein heftiges Crescendo: Es wird brutal an Gliedmaßen gezogen und gezerrt, gestupst dann gestoßen - dazu gegrunzt, schließlich geschrien und auch gebissen.

Stuart zeigt das ganze emotionale Spektrum, das zwischenmenschliche Beziehungen hervorrufen können - inklusive der jeweiligen körperlichen Respons - von quälenden Sehnsüchten über Ängste bis hin zum ganz simplen Liebeskummer, von Zweisamkeit und Einsamkeit. Gefühle, die uns ein Leben lang begleiten - bis das Herz aufhört zu schlagen.