Die EU steht auf keinen Fall mehr lang. Eine Revolution erfasste den ganzen Kontinent, der sich schließlich als ESU - europäisch sozialistische Union - neu erfindet. Die letzte Bastion des Kapitalismus ist die Kleinstadt Krähwinkel. Nun soll der Redakteur Ultra den Hinterwäldlern die Revolution bringen. Soweit die Ausgangsposition von Gernot Plass’ Nestroy-Überschreibung "Empört euch, Ihr Krähwinkler", die nun im Theater an der Gumpendorferstraße (TAG) uraufgeführt wurde.

Nestroy bezog sich in seinem satirischen Meisterwerk "Freiheit in Krähwinkel" unmittelbar auf die Ereignisse der 1848er Revolution, was dem Text besonders schlagenden Witz verlieh. Da Plass das kleinbürgerliche Figurenarsenal in einer fingierten Revolution verortet, fehlt es seiner Fassung etwas an Bodenhaftung.

Passend zu dieser flirrenden Utopie, entwickelt Regisseur Plass abermitdemzwölfköpfigenEnsemble einen absichtsvoll überzeichneten Darstellungsstil, der entfernt an die Commedia dell‘arte erinnert. Die pastellfarbenen Kostüme (Ausstattung: Alexandra Burgsteller) sind launige Biedermeier-Zitate. Auf der nahezu leeren Bühne kommt es mit Piano-Begleitung (Erke Duit) auch zu überaus gelungenen Chorauftritten der Akteure - allesamt Schauspielschüler der Musik und Kunstuni der Stadt Wien. Die Spielfreude der jungen Darsteller ist mitreißend. Die Revolution mag kommen!