- © P. Planchenault
© P. Planchenault

Es ist eine Performance der Repetitionen, der skurrilen Fratzen, der zackigen Bewegungen, der Duracell-Häschen. Aber jene mit den Tschinellen und nicht die trommelnden. Zumindest lassen die kleinen Schrittchen der Performer mit, eben, Tschinellen diese Assoziation vor dem geistigen Auge erscheinen.

Die junge kapverdische Choreografin und Tänzerin Marlene Monteiro Freitas beschäftigt sich in "De marfim e carne - as estatuas tambem sofrem/Aus Elfenbein und Fleisch - auch Statuen leiden" mit dem Körper als Gefängnis, als Käfig. Wie auch von ihren sieben Performern am Schluss lautstark gesungen, wohl eher gebrüllt, wird.

Sie lässt mit eckigen Bewegungen sieben Statuen mit ihrem Nichtmenschsein hadern: Zombieähnlich zappeln sie über die Bühne, bis ihnen der Speichel aus den weit aufgerissenen Mündern tropft. Sie halten inne, wenn ein Buzzer es anscheinend vorgibt, und wechseln aus diese Statik in maschinenähnliche Wiederholungen - in blauen Hosen und weiß geschminkten Hälsen. Diese erinnern auch daran, worauf die Tanzschaffende eigentlich hinaus will: Das Stück ist inspiriert vom Dokumentarfilm "Les statues meurent aussi" ("Auch Statuen sterben") von Alain Resnais und Chris Marker, ist im Programmheft nachzulesen. Marlene Monteiro Freitas setzt dies und den Wunsch dieser Statuen zur Menschwerdung mit Musik von Tschaikowsky, Techno-Beats und - nicht zu vergessen - Tschinellen in Szene. Wild wird es dann, als sich ein Performer über eine leere Sitzreihe hermacht und die Sessel brutal malträtiert. Auch der dahinter sitzende Zuschauer kommt dran: Der Darsteller bedrängt ihn regelrecht. Eine offensichtliche Qual durchleben diese sieben Figuren - und sie sind damit nicht allein.

Performance

De marfim e carne - as

estatuas tambem sofrem/

Aus Elfenbein und Fleisch - auch Statuen leiden

Marlene Monteiro Freitas (Regie)

Museumsquartier/Festwochen

Wh. am 9. Juni