Strahlendes Timbre: Tatiana Serjan als Lady. - © Staatsoper/Pöhn
Strahlendes Timbre: Tatiana Serjan als Lady. - © Staatsoper/Pöhn

An der Wiener Staatsoper erlitt Verdis "Macbeth" zuletzt eine turbulente Aufführungsgeschichte: 2009 stieß Vera Nemirovas Inszenierung auf derart heftige Ablehnung, dass sie eingemottet werden musste. 2015 folgte eine versöhnliche Version von Christian Räth. Diese klar strukturierte Regiearbeit ist nun im Repertoire angekommen - und funktioniert auch hier. Mark McCulloughs Bühnenbild mit seinen rollenden Betonwänden bietet Flächen für den raffinierten Einsatz von Licht und Schatten. Die Story um die machtgierige Lady Macbeth und ihren zum Mörder mutierenden Mann wird schnörkellos erzählt.

In der siebenten Aufführung der Inszenierung sang - wie bei der Premiere - die russische Sopranistin Tatiana Serjan die Lady. Eine Paraderolle: Ihr Timbre bleibt sogar in abgedunkelten Passagen strahlend. Serjan gelingt die Darstellung einer Frau, die an ihrer eigenen Machtbesessenheit scheitert. Der polnische Bariton Andrzej Dobber sang erstmals an der Staatsoper die Rolle des Macbeth. Er zeichnet einen müden Politiker. Es fehlt ihm an körperlich vermittelter Spannung: Von den einschüchternden Geistererscheinungen wirkt er äußerlich wenig bewegt. Stimmlich hingegen ist er von allergrößter Präsenz. Dank famoser Stimmkontrolle vermag Dobber breites baritonales Strömen und feinste musikalische Detailarbeit zu verbinden. Jorge de León singt den Macduff markig, Publikumsliebling Ferruccio Furlanetto ist als Banquo ein Sympathieträger.

Rhythmische Vielfalt

Der Staatsopernchor ist eine tragende Säule, agiert klangmächtig und verlässlich. Dirigentin Simone Young hatte es mit einem Orchester zu tun, das nicht immer auf Premieren-Niveau agierte. Mit straffen Tempi und einer genauen Ausdifferenzierung der rhythmischen Vielfalt der Partitur gelang ihr noch ein Opernabend, der dem Werk gerecht wurde.