Minister kommen und gehen, heißt es, der Beamten-Apparat aber bleibt. Falls das auch für die Wiener Festwochen gilt, wundern die drei Vorjahre nicht. Das Theaterfestival ist ein Theaterfestival geblieben, auch unter der Führung des Musikexperten Markus Hinterhäuser. Der besorgte sich das fehlende Know-how, indem er sich (wechselnde) Schauspiel-Bereichsleiter an Bord holte.

Man mochte dieses Vorgehen seltsam finden. Man mochte sich aber auch freuen, dass die kleine Musikschiene des Festivals in den Jahren 2014 bis 2016 doch einige Akzente erfuhr. Vor allem im Vergleich mit der Dürrezeit unmittelbar davor: Der dreijährige "Verdi-Zyklus" - mit lediglich einer Premiere pro Jahr, die überdies einer im Wiener Repertoire gespielten Oper galt - hätte besser in die Stadt Schilda gepasst.

Hinterhäuser hat also Akzente gesetzt. Er brachte Produktionen, die über Repertoireränder hinauslugten, manchmal auch Genre-Grenzen sprengten. Das Spektakulärste gelang gleich zu Beginn: Romeo Castellucci inszenierte "Orfeo ed Euridice" mit einer Wachkomapatientin im Zentrum - die Gluck-Oper avancierte umgehend zum Stadtgespräch. Das Opernaufgebot war 2014 sogar vergleichsweise großzügig: Das "Bluthaus" von Georg Friedrich Haas, derzeit wohl Österreichs bedeutendster Komponist, wurde ebenso nach Wien geholt wie Michael Hanekes gehypte "Così"-Regie aus Madrid. Gewiss: In manchem Fall erwies sich der Ruf besser als das Ding an sich; in manchem Fall - etwa dem "Winterreise"-Crossover mit dem angesagten südafrikanischen Maler William Kentridge - blieben die Experimentiergelüste unbelohnt. Dennoch: Es war schon ein Labsal, dass sie sich regten.

Und es erweiterte zweifellos den Opernhorizont, dass Hinterhäuser weiterhin zeitgenössische Werke zeigte wie Salvatore Sciarrinos "Die tödliche Blume" - unbequeme Stücke, die man in Wien gern der Off-Szene überlässt.

Festzuhalten ist dennoch: Ab dem zweiten Jahr ist das Opernprogramm wieder deutlich geschrumpft, und es beschied sich oft mit Passablem. Andrea Breths Koppelung von Bartóks "Herzog Blaubarts Burg" mit Schumanns "Geistervariationen" 2015 etwa ergab nicht den verheißungsvoll angekündigten Sinn; und die beiden heurigen Opern-Produktionen (Mieczysław Weinbergs "Passagierin" und Beethovens "Fidelio") waren gewiss nicht schlecht, werden aber auch nicht in die Festspiel-Annalen eingehen.

Da stehen die Zeichen für das nächste Jahr schon günstiger, wenn Tomas Zierhofer-Kin seinen Intendanten-Einstand mit einer "Parsifal"-Uraufführung von Bernhard Lang und Jonathan Meese gibt. Und wenn Hinterhäuser nach Salzburg wechselt und dem Vernehmen nach mit einem Premierenfeuerwerk startet.