Man müsse dem Kabarettpublikum ja nicht auf die Nase binden, dass es Slam-Texte hört, meint die Poetry Slammerin. - © WZ/Moritz Ziegler
Man müsse dem Kabarettpublikum ja nicht auf die Nase binden, dass es Slam-Texte hört, meint die Poetry Slammerin. - © WZ/Moritz Ziegler

Wien. Begonnen hat sie mit Poetry Slam, nun wurde die in Berlin lebende Steirerin Lisa Eckhart beim Österreichischen Kabarettpreis 2016 mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Die "Wiener Zeitung" hat mit der 23-Jährigen über Poetry Slam auf der Kabarettbühne, Vorbilder und Sightseeing in Wien gesprochen.

"Wiener Zeitung":Sie haben sich in Deutschland mit Poetry Slam einen Namen gemacht. Jetzt werden Sie in Österreich als Kabarettistin ausgezeichnet. Hat es die Kabarettistin Lisa Eckhart in Österreich leichter als die Poetry Slammerin?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich halte den österreichischen Slam sogar für viel qualitativer als den deutschen, und er ist schon sehr im Vormarsch, da ist genauso das Publikum da. Allerdings ist Poetry Slam als Kunstform noch sehr jung, und es gibt besonders unter Menschen, die überhaupt keine Ahnung davon haben, was es ist, eine grundsätzliche Ablehnung gegen diese postmoderne Teufelei. Da das Kabarettpublikum ja im Durchschnitt viel älter ist als das Slam-Publikum, ist es vernünftiger, es überhaupt nicht damit zu behelligen, was da geboten wird. Man muss wahrscheinlich den Poetry Slam ein bisschen verheimlichen, um sich im Kabarett zu etablieren. Man kann den Leuten sehr wohl Slam-Texte bieten, nur darf man ihnen nicht sagen, was sie da hören. Dann sind sie glücklich.

Das klingt jetzt ein bisschen nach einer Mogelpackung.

Etwas nicht zu sagen, ist ja keine Lüge. Das Werk steht ja für sich, da ist es eigentlich egal, ob man es Kabarett nennt oder Poetry Slam. Es ist nicht so, dass mein Herzblut an einer der beiden Sparten hängt, und ich nutze jede Bühne, die sich mir bietet. Ob das jetzt zufällig eine Slam- oder eine Kabarettbühne ist, ist mir persönlich relativ gleich.

Ihr Solodebüt "Als ob Sie Besseres zu tun hätten" hat einen klaren Nazi-Schwerpunkt, auch der IS kommt kurz vor. Haben Sie es nach den jüngsten Anschlägen adaptiert?

Es entwickelt sich jede Woche weiter. Mittlerweile sind aus dem Originaltext wahrscheinlich nur noch 30 Prozent erhalten, und ich schreibe immer noch daran. Weil es ja bisher immer mit der Aktualität mitgeht. Ich kann die Geschehnisse nicht ausblenden, und es ist mir auch ein Bedürfnis, sie einfließen zu lassen. Neben den Anschlägen ist auch der Umgang mit Angst und Sicherheit ein Thema, das inhaltlich in den Vordergrund tritt. Dafür muss ich jetzt auf ein bisschen Nationalsozialismus verzichten, aber meine Güte, wir haben ja noch genug davon.

Sie beziehen gerade eine Wohnung in Wien. Tauchen Sie damit jetzt tiefer ins Kabarett ein?

Natürlich möchte ich ein bisschen mehr in die Szene eintauchen - aber nicht zu viel, weil man da ja gleich auf unangenehme Art inspiriert ist.

Von wem wollen Sie sich positiv inspirieren lassen? Gibt es Vorbilder?

Vorbilder gibt es nicht. Es gibt Kabarettisten, die ich sehr schätze, aber nie mit dem Ansatz, ihnen nachzueifern oder sie zu kopieren. Ich bin da unglaublich klassisch, mein Nonplusultra ist die Altriege: Lukas Resetarits, Josef Hader, Alfred Dorfer, Roland Düringer - ich bin, glaube ich, eine von sehr, sehr wenigen im Volk und auch in der Kabarettszene, die Düringer immer schon deliziös fanden, und jetzt erst recht.

Der erste österreichische Kabarettist, über den sich Kollegen offen auf der Bühne lustig machen.

Ich finde es eigentlich schade, dass das nicht mehr betrieben wird. Selbst im Poetry Slam, der ja ein Wettbewerb ist, wird das kaum gemacht. Aber ich finde es sehr gefährlich, wenn einem die Selbstironie abhanden kommt.

Sie sind jetzt zum ersten Mal in Wien. Was haben Sie bisher gesehen?

Den Obi (lacht). Sightseeing ist etwas, das ich in keiner Stadt dieser Welt mache. Weil ich keinerlei emotionale Regung empfinde für Bauwerke oder Kunstwerke, die haben für mich keinen Mehrwert. Ich bin auch relativ autark, was Kunstsammlungen und Museen betrifft. Dort sollen die Touristen hingehen. Meine Begeisterung ist da relativ gering.

Was würden Sie an Berlin vermissen, wenn Sie ganz wegzögen?

Eigentlich nichts. Wenn ich wo wohne, dann wohne ich dort in einem beschränkten Raum. Ich bin stolz darauf, in Berlin nie etwas anderes gesehen zu haben als den Weg von meiner Wohnung zum Flughafen und zurück. Es ist mir vollkommen egal, was in dieser Stadt passiert, und deshalb liebe ich sie auch so, weil sie mich nicht belästigt in irgendeiner Form. Das würde mir wohl fehlen.

Vermutlich war damals der Kulturschock vom steirischen Heimatdorf nach Berlin auch nicht so schlimm.

Naja, ich war ja dazwischen erst in Paris, das war wohl der größte Schock. Und von dort ging es zuerst nach London und dann nach Berlin. Ich habe den Landaufwuchs unglaublich unbeschädigt überstanden. Einen echten Kulturschock hat es jedenfalls nie gegeben. Ich konnte mit der Natur vorher genauso wenig anfangen wie nachher mit der urbanen Umgebung. Insofern war es g’hupft wie g’hatscht.