Bernhard Majcen und Anna-Sophie Fritz auf der Suche nach dem Seelenfrieden. - © Pia Klawatsch
Bernhard Majcen und Anna-Sophie Fritz auf der Suche nach dem Seelenfrieden. - © Pia Klawatsch

Ein Sessel. Ein T-Shirt mit Che-Guevara-Aufdruck. Eine Papierkrone von Burgerking. Das ist das ganze Bühnenbild. Der Rest existiert nur in den Köpfen, beschrieben vom Erzähler (Tristan Jorde).

"Tot - Sechs Bilder für die Bühne" handelt von einem Mann und einer Frau, die den Tod ihres Kindes beklagen und ihren Frieden in den Bergen suchen. Er ist betont positiv, sie eindrucksvoll ausdruckslos. Sechs Bilder sind es, in drei verschiedenen Räumen. Mehr gibt die Handlung nicht her.

Die Musik und eine Handvoll Worte zeichnen die Szene. Minimalistisch. Puristisch. Reduziert, bis kaum etwas übrig bleibt. Keiner tut, was der Erzähler sagt. Nicht einmal das Gewand stimmt mit seiner Beschreibung überein. Und der "Knabe mit den kurzgeschorenen Haaren" ist eine erwachsene Frau mit roter Wallemähne. Auch Änderungen in der Beleuchtung werden nur beschrieben, aber nicht durchgeführt. Die Fantasie der Zuseher ist gefragt. Wenn der Erzähler von der weinenden Frau spricht, bewegt sich in ihrem Gesicht nichts. Keine Regung. Aber gerade der Widerspruch zwischen den Worten des Erzählers und den Taten der Protagonisten fasziniert.

Viel Text müssen Anna-Sophie Fritz (die Frau) und Bernhard Majcen (der Mann) in der Inszenierung von Otto Brusatti nicht lernen. Erst im zweiten Bild beginnen sie zu reden. Und dann sind die Dialoge stockend, übertrieben künstlich. Wenn minutenlang ein Teelicht nach dem anderen angezündet wird oder wieder und immer wieder die Protagonisten in "langes Schweigen" verfallen, dann zieht es sich ein wenig.

Es ist das einzige Theaterstück von Anton von Webern. Der Komponist folgt begeistert dem obersten Gebot des Expressionismus: der Reduktion - und reizt sie bis an ihre Grenzen aus. Ein Hauch von Handlung trifft auf ein non-existentes Bühnenbild. Das Kurhaus am Semmering, gebaut um die Jahrhundertwende, ist der ideale Aufführungsort, passt atmosphärisch exakt zu der vom Erzähler gezeichneten Szenerie von Wald und Berg, macht das fehlende Bühnenbild wett. Das Kurhaus stiehlt der Aufführung die Show - aber es rettet sie auch.

"Tot" ist zu sehr Kunst, um Unterhaltung zu sein. Aber nichtsdestoweniger interessant. Spannend. Vor allem, weil bis zum Schluss die Frage bleibt, welchen Sinn die Krone hat.