Kristine Opolais überzeugte an der Staatsoper als "Madama Butterfly". - © Staatsoper/Michael Pöhn
Kristine Opolais überzeugte an der Staatsoper als "Madama Butterfly". - © Staatsoper/Michael Pöhn

Zu Beginn des Abends erinnerte Staatsoperndirektor Dominique Meyer sichtlich gerührt an den soeben verstorbenen Freund des Hauses am Ring, Kammersänger Johan Botha. Sein so schmerzliches Ableben hinterlässt auch in den Besetzungslisten der Wiener Staatsoper eine bestimmt große Lücke.

Dann ging es ab nach Japan: Schaurig schön ist Giacomo Puccinis Geschichte von der "Madama Butterfly" jedenfalls. Die verletzliche Japanerin, die dem momentanen Liebesbedürfnis des amerikanischen Marineoffiziers zum Opfer fällt: Die Lettin Kristine Opolais konnte mit ihrem Rollendebüt als Geisha Cio-Cio-San genau auf dieser dramatischen Ebene zwischen Zartheit und Verletzlichkeit bis zur Selbstzerstörung überzeugen und ließ gesanglich speziell gegen das dramatische Ende mit wohlklingenden Höhen aufhorchen. Hinreißend gelang ihre "Un bel di vedremo"-Ansprache.

Dem Wohlklang in der Dramatik gehörte auch das Hausdebüt der neuen Ensemblealtistin Bongiwe Nakani, gebürtige Südafrikanerin. Ihre Suzuki atmete eben diese Zerrissenheit zwischen Treue zur untergehenden Herrin wie Verständnis der Ausweglosigkeit der Situation. Sie verfügt über ein jugendlich schönes, noch diskret aufgetragenes Timbre.

Piero Pretti erstmals als Wüstling Pinkerton konnte mit Einsatztreue und Exaktheit in der Partitur punkten - am Stimmvolumen wird er für die Reprisen bestimmt arbeiten.

Aus den ordentlich besetzten Nebenrollen stachen in den alten Gielen-Bildern Boaz Daniel als seriöser Sharpless und Herwig Pecoraros markdurchdringender Goro hervor. Dirigent Philippe Auguin ließ dem Staatsopernorchester freien Lauf in der Schönheit der Partitur.