(irr) "Wie man wird, was man ist" heißt der Untertitel zu Friedrich Nietzsches "Ecce homo". Alf Poier widmet dieser Entwicklungsfrage sein neues Programm: Wie ist aus einem Schwammerlsucher, geboren 1967 in Judenburg, ein "Dadasoph und geistiger Querschläger" geworden? Poier, in den zwei Vorjahren wegen Magenproblemen bühnenabsent, warnt: Dieser Abend sei kein Kabarett. Tatsächlich gräbt der Ex-Song-Contest-Teilnehmer und Universaldilettant dann sehr dokumentarisch in seiner Biografie: In der ersten Hälfte setzt es alte Tagebücher-Einträge und Do-it-yourself-Austropop an der Gitarre, in der zweiten Gemälde aus eigenem Pinsel.

Poiers Vortrag spitzt freilich weiterhin auf die Pointe, und für eine solche ist schon der erste Tagebucheintrag gut. Vom 1. Jänner 1985 berichtete der HAK-Schüler kurz und knapp: "Schweinsbraten". Vielleicht, meint Poier heute, hätte er damals schon die dünnen Packerlsuppen-Jahre seiner späteren Jugend vorausgeahnt. Jahre, in denen er für McDonald’s, den "Bazar", als Münchner Nachtwächter oder Drummer einer Schweizer Tanzkapelle gearbeitet hat - und die ihn schließlich in eine Sinnkrise führten. Aus der ist er zwar ohne Sinn, dafür aber mit einem Plädoyer für die Unvernunft zurückgekehrt: die Stunde null für Poier, den Verfechter einer Camus’schen Lebens-Absurdität. Die führt nicht nur zu einem - weiterhin dialektlastigen - Mix aus großem Nonsens und groben Sprüchen, sie spiegelt sich auch in den bunten Leinwänden des Kappenträgers: Diverse Spiegeleier nisten darin, mitunter auch Kaiser mit Essiggurkerln oder die ominöse Muku-Muku. Nicht viel Neues für Poier-Fans. Muss bei einem Rückblick aber auch nicht sein.

Kabarett

The Making of Dada

von Alf Poier