Die 90-jährige Freifrau Colette von Laffhausen lädt ihren Nachbarn, einen Pianisten, zu dessen 50. Geburtstag gemeinsam mit zwei ebenfalls 90-jährigen Freundinnen, eine Philosophin und eine ehemalige Tänzerin, zu sich ein, um den jungen Mann wieder zum Komponieren zu bringen.

Das ist der Ausgangspunkt für Roman Seeligers neuen Soloabend "Illusionen mit 50", in dem er alle vier Personen spielt. Die Charaktere der drei hochbegabten Damen sind dabei fein ausgearbeitet, jede hat ihre eigenen Spleens und Ticks, die Seeliger konsequent zwei Stunden lang durchhält (auch wenn es mitunter beim Zuschauen schon wehtut, wenn die Philosophin an ihren Nägeln herumnestelt).

Und der Abend ist unterhaltsamer, als man nach der Eröffnung mit ein paar alten Kalauern und Damenwitzen glauben mag. Denn spätestens, wenn Seeliger am Klavier sitzt, ist das Publikum hin und weg ob seiner Virtuosität und der Nonchalance, mit der er sich selbst am Flügel begleitet: Couplets, Operetten- und Musical-Nummern, Improvisationen von Bach über Mozart bis Gershwin und Sinatra - die Palette ist genauso bunt wie die Persönlichkeiten der drei alten Damen, für die der Pianist spielt.

Und zwischendurch lassen sie sich mit schwarzem Humor über Gott und die Welt aus, oder besser gesagt: über das Altern, Männer, Politik und Religion. Über all dem schwebt die zentrale Frage: Haben wir unser Leben richtig gelebt? Eine Antwort bekommt man nicht serviert. Dafür aber gute Unterhaltung am Klavier.