Erotische Waffe im Kampf um Jerusalem: Ga lle Arquez als Lockung in der Neuproduktion von "Armide" an der Wiener Staatsoper, hier an der Seite von Bror Magnus Todenes. - © Staatsoper/Pöhn
Erotische Waffe im Kampf um Jerusalem: Ga lle Arquez als Lockung in der Neuproduktion von "Armide" an der Wiener Staatsoper, hier an der Seite von Bror Magnus Todenes. - © Staatsoper/Pöhn

Wien. Barockoper? Hat sie eigentlich nicht gemocht. Gestelzte Gesten, gläserne Stimmen, eine Geziertheit wie am Hof von Versailles: So sah das Gaëlle Arquez früher. Bis ein Landsmann Überzeugungsarbeit bei der französischen Sängerin leistete. "Was du für Barock hältst, das will ich nicht", sagte der Dirigent Raphael Pichon. Der suchte für seine Aufführungen eine "richtige Stimme mit Vibrato", erinnert sich Arquez im Gespräch. Daraufhin gab sie dem Barock also eine Chance - mit überraschendem Ergebnis: "Die Charaktere dieser Opern sind so stark und speziell, ich habe eine neue Welt entdeckt."

Und die Klassik-Welt hat Arquez entdeckt, könnte man etwas überspitzt sagen: 2011 debütierte sie beim französischen Barockfestival in Beaune, zu dem sie im Folgejahr mit Musik von Lully, Rameau und Vivaldi zurückkehrte. 2013 stand sie schon auf der Pariser Opernbühne in Monteverdi-Diensten und stattete dem Theater an der Wien einen Besuch ab - als Idamante im "Idomeneo" mit dem Freiburger Barockorchester. Dennoch, sagt die athletische Frau mit den feinen Gesichtszügen: "Ich würde nicht sagen, dass ich eine Barocksängerin bin. Diese Musik definiert mich nicht. Ich habe mich in sie verliebt, aber ich entdecke laufend neues Repertoire." Etwa Debussys Mélisande oder Bizets Carmen: zwei grundverschiedene Rollen, an denen sie sich noch in dieser Spielzeit in Frankfurt versuchen wird.

Tiefer gelegt


Davor tritt Arquez, die als Teenager eigentlich auf dem Weg zur Pianistin war und die Oper mit dem Klischee von der dicken Dame verband, wieder einmal im Barockumfeld auf, und zwar mit Musik des Vorklassikers Christoph Willibald Gluck. Dessen "Armide" hat am Sonntag an der Wiener Staatsoper Premiere, im Orchestergraben werken die Musiciens du Louvre mit Dirigent Marc Minkowski. Arquez stellt sich dabei erstmals am Haus vor - und das gleich in einer Titelrolle: "Das ist schon ein bedeutender Punkt in meiner Karriere", zeigt sie Respekt.

Dennoch hat sie ihrem Landsmann, Staatsoperndirektor Dominique Meyer, nicht gleich zugesagt - sie fürchtete, die Partie sei zu hoch notiert. Zwar hat Arquez am Pariser Konservatorium Sopran studiert und beim dortigen Gesangswettbewerb 2009 die Goldmedaille errungen. Mittlerweile ist ihre ausdrucksstarke, konturierte Stimme aber im (erhöhten) Mezzobereich beheimatet. Arquez: "Ich habe mit Minkowski lang über die Armide diskutiert." Der französische Barock-Spezialist konnte sie aber schließlich von der Machbarkeit überzeugen. Wobei erleichternd hinzukommt: "Das Orchester setzt den Kammerton nicht bei 440 Hertz an, sondern bei 400 - das ist perfekt für mich."