Im Grunde wird in "It’s a free world" vom Scheitern eines Systems erzählt, das auf den Schultern der Hauptfigur ausgetragen wird - zumindest in dem der Theaterproduktion zugrunde liegenden Film. Angie ist alleinerziehende Mutter und nicht gerade vom Glück verfolgt. Als ihr Chef ihr zu nahe rückt und sie sich wehrt, ist sie ihren Job los. Sie beschließt, ihre eigene Vermittlungsfirma zu gründen. Die Zielgruppe: ausländische Arbeiter. Das Projekt beginnt mit sozialem Engagement und mutiert zur Ausbeutungsmaschinerie, die nun ihrerseits Opfer fordert - unter anderen Angie selbst.

Im Film von Ken Loach wird dieses Thema feinstufig abgehandelt, er zeigt die Veränderung der Persönlichkeit, begünstigt durch ein sperriges System, das legales Engagement nicht immer zulässt.

In der Inszenierung von Alexander Simon wird Angies opportunistische Seite überzeichnet. Was den Film ausmacht, nämlich die an Grautönen reiche Inszenierung eines komplexen Problems, gekoppelt mit dem Ringen einer Frau um privates und berufliches Glück, wird im Werk X nivelliert: Hier steht Angie (Leila Abdullah) als Schuldige allein auf weiter Flur, ihre Rolle als Mutter wird zurückgedrängt. Anders als im Film erzählt man ihr individuelles Scheitern und nimmt der essenziellen Handlung durch Aneinanderreihung von beliebigen Sequenzen zusätzlich Kohärenz. Die Einführung von komischen Elementen stiftet weitere Verwirrung. Diese ist es dann auch, die - trotz gelungenen Bühnenbilds und multimedialer Umrahmung - am Ende der Vorstellung bleibt.