Ein Fischer, der nicht mehr Fische fischt, sondern Menschen. Tote Menschen aus dem Mittelmeer. Und eine Studentin, die nur dann studieren kann, sich dieses Studium leisten kann, wenn sie als Schuldeneintreiberin anderen die letzten Groschen nimmt. Stefano und Denise heißen die beiden Figuren aus "Lampedusa", einem Theatertext von Anders Lustgarten, der im Theater Drachengasse zur österreichischen Erstaufführung gebracht wurde. Anhand der Einzel-Biografien arbeitet der Text eine Verbindung zwischen globalisiertem Kapitalismus, Flucht und Rassismus heraus. Hans-Peter Kellner hat dabei nicht nur inszeniert, sondern auch Bühne und Kostüme gemacht.

Auf weißen Kieseln liegen weiße Hocker, Kanister, Heizkörper. Wenn das Mittelmeer "die blaue Wüste" ist, dann ist diese Bühne eine weiße. Es knirscht unter den Sohlen von Michael Smulik. Die Entwicklung seiner Figur vom abgeklärten Arbeiter hin zum stolzen Freund gelingt ihm nicht. Er bleibt auf der immer gleichen Tonlage vom Widerwillen gegen alle Worte hängen. Macht aber nichts, der Text trägt und lässt die Monologe der beiden Figuren mehr und mehr ineinander und auf eine subtile Hoffnung hinaus laufen.

Claudia Kottal legt dabei als Denise ihren kämpferischen Alarmzustand nur so weit ab, dass die Freude und der Unglaube über die Freundlichkeit anderer Menschen umso größer scheinen. Eine Art ausgewählter Zufälligkeit begleitet Kottals Gesten und Worte. Hut ab! Diese Rolle sitzt. Im Ganzen: ein konzentrierter, doch pointenreicher Abend.