Eröffnen das Festival: Les Reines Prochaines. - © T. Madoerin
Eröffnen das Festival: Les Reines Prochaines. - © T. Madoerin

"Love me Gender" verspricht das Kosmos-Theater Wien. Vier Wochen lang werden dort im Rahmen eines Performance Festivals Arbeiten von österreichischen und internationalen Kunstschaffenden präsentiert. Die Elvis-Referenz des Titels verspricht augenzwinkernde Popkultur. Der Untertitel - "Performing Feminisms" - verweist auf den Vollzugscharakter von Geschlechter-Konstruktionen. So wie "gender", also das soziale Geschlecht, etwas wäre, das sich erst im "doing", also im Tun, ergibt, so könnten, suggeriert der Untertitel, Feminismen performt und also zu einer starken Behauptung werden. "Ja!", sagt Kosmos-Intendantin Barbara Klein, "im Theater ist eine besondere Auseinandersetzung mit Rollenbildern möglich." Besteht doch schon alleine aufgrund der Begrifflichkeit "Rolle" ein Naheverhältnis zwischen Bühnenarbeit am Theater und Persönlichkeitsarbeit im Alltag.

Heute, am 3. November, eröffnet das Festival mit einer Musikperformance von Les Reines Prochaines, einem Kollektiv aus der Schweiz, das öfter schon im Kosmos-Theater gastierte. Weiter geht es dann am 8. November mit der Uraufführung einer Performance von Theater KreisQuadratur unter dem Titel "Maha Karuna oder We are NOT part of my Liebesleben". Insgesamt acht Programmpunkte (darunter auch ein Workshop mit Katrin Ackerl Konstantin), mit zumeist zwei Spielterminen, sind bis zur Closing Party am 26. November (inklusive einer Musikperformance von Bernadette La Hengst) kuratiert. Außerdem wird eine Installation von Barbara Ambrusch-Rapp im Theaterfoyer der Festivalatmosphäre einen künstlerischen Rahmen geben.

Letztes Jahr feierte das Kosmos-Theater sein 15-jähriges Bestehen. Der Verein LINK.* ist Träger der Spielstätte, die geplante Kommunalisierung kam bisher nicht zustande. Eigentlich wollte Klein, die 2014 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet wurde, das Kosmos-Theater mit der Spielzeit 2017/18 an eine Nachfolgerin übergeben. Nachdem die Stadt Wien das Theater nicht nur nicht übernommen hat, sondern auch die Fördersituation für 2017 offen ist, bleibt die Intendantin am Theater, um die Zukunft des dezidiert feministisch arbeitenden Hauses klären zu können. Der Zuspruch des Publikums sei jedenfalls gegeben, es gebe 80 Prozent Auslastung.

Kleinlaute Antwort


Das Festivalvorhaben "Love me Gender" ist das Gegenteil einer kleinlauten Antwort auf die unsichere Zukunft des Kosmos-Theaters. Ist es doch auch erklärtes Ziel der Intendantin, "den Konjunktiv zu denken", also Möglichkeiten zu propagieren wie die Welt auch sein könnte, wie die Arbeit von Frauen auch entlohnt werden könnte und wie auch immer jedes Individuum gegen gesellschaftliche Gender-Determinierung leben könnte. Deswegen ist die Auseinandersetzung mit Rollenmustern sowohl inhaltlich als auch formal immer Teil der Arbeiten, die am Kosmos-Theater gezeigt werden.

Die derzeit zu beobachtende Selbstreflexivität in der Kunst, also das Reflektieren eigener Anteile an der Aufrechterhaltung eines Ist-Zustandes, war ein Anstoß für die Zusammenstellung der Arbeiten bei "Love me Gender". Dabei geht es nicht darum, Ungleichverhältnisse oder Diskriminierungs-Politiken einfach auszublenden, sondern vielmehr darum, diese Grenzen spielerisch zu hinterfragen und auch zu überschreiten. Die Kunstform "Theater" ermöglicht eine sinnliche Art der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen.

Festival "Love me Gender"

- Performing Feminisms:

3. bis 26. November.

www.kosmostheater.at