Das neue Paar für den Domplatz ab 2017: Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger. - © apa/Herbert Neubauer
Das neue Paar für den Domplatz ab 2017: Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger. - © apa/Herbert Neubauer

Wien. Leicht gemacht hat er sich die Entscheidung nicht. Und er hat gezögert. Es war bereits die dritte Anfrage an Tobias Moretti, den Salzburger "Jedermann" zu spielen. Dieses Mal stimmten für den Schauspieler aber die Voraussetzungen. Gezögert hat er, weil er befangen war, selbst bereits viele Vorstellungen auf dem Domplatz absolviert hat. Den Guten Gesellen und den Teufel hat er hier bereits von 2002 bis 2005 gespielt - in glühender Hitze, bei kühlem Nieseln.

Nun aber ist Moretti "entfacht" für den Jedermann, mit dem er im Sommer 2017 die ersten Festspiele unter der Intendanz von Markus Hinterhäuser und der Schauspielchefin Bettina Hering eröffnen wird. Was ihn an dem Traditionsstück um das Sterben des reichen Mannes fasziniert, ist, dass es sich trotz vieler Antiquiertheiten um einen Stoff handle, "der prototypisch für jede Zeit" sei und den es "immer wieder neu zu sichten" gelte. An Aktualität hat das Stück für Moretti nichts eingebüßt, er zieht gar Parallelen zur Entstehungszeit Anfang des 20. Jahrhunderts, eine "Zeit des großen Weltenumbruchs".

Entfacht für "Jedermann"


Für eben jene neue Sichtung wird es zwar keine Neuinszenierung geben, die beiden Regisseure Brian Mertes und Julian Crouch werden ihre Fassung jedoch "kräftig neu aufsetzen", kündigte Hering an. Denn nicht nur Moretti, sondern auch die Schauspielchefin selbst habe sich ein "neues Aufbrechen des Stücks" gewünscht.

Ein neuralgischer Punkt dafür sei für Moretti die Besetzung der Buhlschaft gewesen: "Das muss eine Wucht sein, die darf nicht in irgendeiner Weise einem Klischee entsprechen. Eine Wucht an Schauspielerin und an Sinnlichkeit und an dem, was man Können nennt." Stefanie Reinsperger sei ihm und Hering daraufhin gleichzeitig als Erste eingefallen. Die 1988 in Baden geborene Schauspielerin, die derzeit am Wiener Volkstheater engagiert ist, zeigte sich "wahnsinnig dankbar und glücklich", dass sie hier stehen dürfe und auch darüber, "dass es jetzt endlich raus ist". Nicht einmal ihren Eltern habe sie bis vergangene Woche von ihrem bevorstehenden Salzburg-Debüt erzählt. Sie möchte sich trotz zahlreicher prominenter Vorbilder möglichst frei auf die Rolle einlassen, in diesem "Märchen für Erwachsene", das sie mit seinen zeitlosen Themen als sehr stark im Heute verankert sieht.

Die Verträge wurden traditionell vorerst für ein Jahr unterzeichnet, es gibt jedoch beiderseitige Absichtserklärungen für die nächsten vier bis fünf Jahre. Neben Moretti und Reinsperger sind weitere Neu- und Umbesetzungen fixiert. Hering lobte die Tradition, dass Rollen innerhalb des Ensembles weitergegeben werden "wie tektonische Verschiebungen".

So wird Christoph Franken, zuletzt der "Teufel", diesmal den "Mammon" spielen, Johannes Silberschneider, zuletzt der "arme Nachbar", wird den "Glauben" übernehmen. Neu dabei sind Mavie Hörbiger, die als "Werke" auftreten wird, sowie Edith Clever, die Jedermanns Mutter gibt. Der "Teufel" und "Gute Gesell" wurden wieder in eine Doppelrolle gespannt, die Hanno Koffler bei seinem Salzburg-Debüt spielen wird. Peter Lohmeyer bleibt der "Tod". Für die Proben der geplanten "Neuaufsetzung" werden die Regisseure Crouch und Mertes wieder die Proben leiten, Premiere ist am 21. Juli 2017.

Was Intendant Markus Hinterhäuser neben Hugo von Hofmannsthals "Jedermann", den er als einen zentralen Teil des "genetischen Codes der Festspiele" bezeichnete", noch programmiert hat, präsentiert das neue Leading-Team kommende Woche.