Mehr als vierzig Jahre war er auf der Bühne immer der Liebhaber, hat er die strahlenden Helden gesungen, denen sich die schönen Sopranistinnen ergeben. Mit dem Wechsel ins Baritonfach vor etwa fünf Jahren kamen die Bösewichte in sein Leben. Eine Veränderung, an die sich Plácido Domingo immer noch gewöhnen muss. Im Theater an der Wien singt er ab kommender Woche die Titelpartie in Verdis "Macbeth". Die Produktion unter der musikalischen Leitung von Bertrand de Billy bildet den Abschluss einer dreiteiligen Shakespeare-Trilogie, die Intendant Roland Geyer für das Jubiläumsjahr programmiert hat. Regie führt der Hausherr selbst.

Für Domingo ist Macbeth ein Bösewicht, der vor allem von "seiner Frau manipuliert wird - wie wir ja alle von unseren Frauen sehr manipuliert werden." Ohne Zweifel sei die Lady "die Stärkere von den beiden - wie im echten Leben". Domingo hatte sich gewünscht, die erste Fassung der Oper aus 1847 zu singen - wegen der großen finalen Sterbearie. Da hatte Geyer bereits die Produktion der Fassung von 1867 geplant und beschlossen, einfach beides anzusetzen. So gibt es ab 11. November parallel beide Fassungen zu hören. Die vielen kleinen und großen Unterschiede haben sich letztlich aus technischen Gründen auf den unterschiedlichen Schluss und alternierende Sänger eingeschliffen.

Obwohl "Macbeth" keine explizite Liebesoper ist, will Roland Geyer sich in seiner Inszenierung auf die Beziehung von Macbeth und seiner Lady konzentrieren. Für Dirigent de Billy liegt neben dem Wechsel im Finale die größte Herausforderung in der Besonderheit der Oper, dass die Sänger eher sprechen als singen sollen: "Oft wird dieses Stück einfach gesungen. Das ist dann sehr schön, aber leider falsch."