Der vom Narren besungene Regen mag jeglichen Tag regnen, aber eine gute Shakespeare-Aufführung, noch dazu in der Originalsprache, gehört nicht zum Wiener Theateralltag. Wer eine ebenso pfiffige wie poetisch-tiefsinnige Inszenierung der Meisterkomödie "Twelfth Night" (deutscher Titel: "Was ihr wollt") erleben möchte, hat dazu in den nächsten Wochen in Vienna’s English Theatre Gelegenheit.

Hausherrin Julia Schafranek hat die sehenswerte Produktion, die beim Theaterfestival Midsummer Scene in Dubrovnik gezeigt wurde, nach Wien geholt. Es geht um die ewige Thematik Liebe und Tod, aber auch um Vergnügen und Puritanismus. Die temporeiche Regiearbeit von Helen Tennison führt subtil vor Augen, wie nahe oft Komik und Tragik beisammen liegen.

Ihr Einfall, in die Lieder des Narren das ganze Ensemble vokal und pantomimisch einzubeziehen, erzielt große Wirkung und unterstreicht die Weisheit und Allgemeingültigkeit dieser Texte.

Tennison lässt der Spielfreude der Akteure freien Lauf, stellt aber hohe Anforderungen an sie, zumal einzelne wie zur Shakespeare-Zeit in mehrere Rollen schlüpfen müssen. Helen Watkinson ist eine liebenswerte Viola, Jason Eddy ein viriler Orsino, Emma Fenney eine durchtriebene Maria, Helen Millar eine rasch von ihrer Melancholie geheilte Olivia. Filip Krenus überzeugt sowohl als Spaßbremse Malvolio als auch als Seemann Antonio. George Oliver kommt vor allem als Narr Feste zur Geltung, an James Burton (Sir Toby Belch) und Tom Michael Blyth (Sir Andrew Aguecheek) erkennt man, dass schon Altmeister Shakespeare ein Paar wie Laurel & Hardy kreiert hat.

theater

Twelfth Night

Vienna’s English Theatre

Wh. bis 22. Dez