Seit zwei Monaten wird auf Hochdruck gearbeitet: Altmodisches Interieur wurde aus dem ehemaligen International Theatre entfernt, die Räumlichkeiten des seit einigen Jahren leer stehenden Theaters wurden von Grund auf renoviert. Von der alten Technikanlage sind nur die Steckdosen geblieben. Gleichzeitig liefen die Proben. Die Eröffnungspremiere ist eine launige Dramatisierung von Bram Stokers Vampirroman "Dracula".

Das Theater in der Porzellangasse 8, unweit des Schauspielhauses, glänzt ganz in Schwarz. Im Foyer stolzieren Flamingos auf einer raumfüllenden Stofftapete einher. Edel, aber lässig, sparsam, aber nicht billig, so präsentiert sich Wiens neue Kleinbühne das Bronski & Grünberg. Namensgeber sind zwei Schauspieler aus Ernst Lubitschs Filmhit "Sein oder Nichtsein" (1942).

Der Name ist Programm: Es ist ein Theater von und für Schauspieler, bei dem der Ensemblegedanke hochgehalten wird: "Es gibt keine Hierarchien", so Theatergründer Alexander Pschill im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das gilt auch im Umgang mit Bühnenfiguren: "Alle Figuren werden gleichwertig behandelt", sagt Schauspieler Alexander Jagsch. Damit wolle man das übliche Gefälle zwischen Haupt- und Nebenrollen aufheben.

Josefstadt-Schauspieler Pschill und seine Frau, die Bühnenbildnerin Kaja Dymnicki, bilden das künstlerische Leitungsteam. "Mich treibt die Neugier an", so Pschill. "Ich will Neues über das Spielen herausfinden." Arbeitsgrundlage: "Ehrlich an Produktionen herangehen, ohne an Trends und Traditionen zu denken." Die Jungschauspielerinnen Julia Edtmeier und Salka Weber, die derzeit ebenfalls in der Josefstadt engagiert ist, sind das organisatorische Rückgrat. "Wir sind wie eine Familie", sagt Edtmeier, "wir ergänzen einander geradezu ideal", so Pschill.

Tanz der Vampire

Das Team wagte den Schritt zur Theatergründung nach den Erfolgen der Nestroy-nominierten Off-Produktion "Gefährliche Liebschaften", die sie 2015 auf eigene Faust in einer Galerie herausgebrachten und Ende November im Bronski & Grünberg wieder aufnehmen. Weiters findet man auf dem eklektischen Spielplan "Hom(m)e Alone", eine Fortschreibung des Blockbusters "Kevin allein zu Hause", aber auch Dostojewskis Roman "Der Spieler" sowie Horváths Bühnenstück "Kasimir und Karoline".

"Uns interessieren bekannte Motive und Figuren, die bei den Zuschauern bestimmte Erwartungen wecken", so Pschill, "mit diesen vorgefertigten Bildern wollen wir spielerisch umgehen."

Dieser Ansatz ist bei "Dracula" durchaus aufgegangen: Alexander Jagsch tritt als geradezu sanftmütiger Vampir auf. Ohne antiquierte Gothic-Romantik freundet er sich mit Matthias Mamedoff, seinem Immobilienvermittler Jonathan Harker, an. Vor allem im ersten Teil entfaltet die knapp dreistündige Aufführung in der Regie von Pschill und Dymnicki ungeahnt komödiantisches Potenzial. Jagsch und Mamedoff überzeugen als ideales Komikerduo, jede Pointe sitzt, auch Horroreffekte sind gekonnt platziert. Nach der Pause, als die Handlung ins England der Jahrhundertwende führt, kommt es mitunter zu einigen Leerläufen. Dennoch hat man sich wohl selten so gut mit Dracula amüsiert.