Das Ergebnis der Arbeit war ernüchternd: Viele Satiriker haben gesagt, sie würden Fernsehen als Mittel zum Zweck der Publikumsbeschaffung nutzen, oder haben gleich auf der Unumsetzbarkeit von Kabarett im Fernsehen bestanden. Dann kamen die "Daily Show" mit Jon Stewart, der "Colbert Report", John Olivers "Last Week Tonight", Samantha Bee mit "Full Frontal". Faktengestützte Haltung mit maximalem Zug zur Pointe: Das ist der Weg. Die Anstalt steht natürlich in der Tradition der guten alten Brettlbühne, aber wir versuchen einen Spagat hinzulegen zu diesen angelsächsischen Formaten. Vielleicht kann man uns so beschreiben: Monty Python meets Statistiken. Wir reden über Dinge wie Freihandelsabkommen und Erbschaftssteuerreformen. Aber in Strumpfhosen.

Sie waren früher selbst freier Journalist und Kritiker - wie gehen Sie jetzt als Kabarettist mit schlechten Kritiken um? Lesen Sie die überhaupt?

Joa. Da inzwischen jeder seine Kritik schriftlich veräußern kann, gilt umso mehr der Satz: Kritik sagt mehr aus über den, der sie äußert. Die "Anstalt" befasst sich neben den unterschiedlichsten Themen ja auch mit dem Thema Flucht. Dazu kommt gerne: "Das Thema Flüchtlinge nervt." Ja, Gott, diesen Satz muss man erst einmal schreiben zu einer Zeit, in der mehr Menschen übers Mittelmeer fliehen und ertrinken als je zuvor. Diesen Kritikern und Kritikerinnen rate ich, sich vorzustellen, sie sagten das jemandem ins Gesicht, der soeben flüchten musste. Egal ob aus dem Bombenhagel in Syrien oder kollabierenden Regionen in den Maghreb-Staaten. Was wäre das für ein Monolog: "Ihr Leben bietet keine Perspektiven mehr?! Tja. Das nervt. Also mich. Haben Sie dafür bitte Verständnis. Ich würde mich gerne wieder mit mir selbst beschäftigen. Und könnten Sie versuchen, mich mit Ihrem Überleben weniger zu belästigen? Super. Danke. Vergessen Sie nicht: Ich war zuerst da!"