Rückkehr auf die Wiener Bühne: Hvorostovsky als verletzlicher Giorgio Germont. - © Staatsoper/Pöhn
Rückkehr auf die Wiener Bühne: Hvorostovsky als verletzlicher Giorgio Germont. - © Staatsoper/Pöhn

Was für eine mächtige Schwindsüchtige: Marina Rebeka ließ ihrer Violetta schon zum Auftakt der aktuellen Aufführungsserie von Verdis "La traviata" im Haus am Ring jeden nur erdenklichen Gestaltungsraum. Bewundernswert strahlte sie in der aussichtslosen Situation der todkranken Heldin mit dramatischer Klanggewalt über das feurige Staatsopernorchester hinweg. So wurde der "È strano"-Abschied ein Appell an die handelnden Personen, die Hoffnung nie aufzugeben.

Kein Wunder, dass sie von ihrem Alfredo mit ebensolcher Verve angespornt wurde: Charles Castronovo überzeugte mit profunder Technik und Bühnenpräsenz. Apropos Energie: Dirigentin Speranza Scappucci hatte die Damen und Herren im Ensemble unter Kontrolle. Auch wenn vor lauter enthusiastischer Italianità und schmissiger Tempowahl bisweilen die Einsatzgenauigkeit auf der Strecke blieb: Das Herz hatte diese Aufführung auf dem rechten Flecken. Die Wahl der Nebenrollen mit Ensemblemitgliedern wie Donna Ellen, Hans Peter Kammerer und Dan Paul Dumitrescu erwies sich ebenso als gelungen.

Ein Gegenpol

So energisch die einen an diesem Abend sangen, so inniglich gestaltete ein Weltstar seine Rolle: Endlich war Dmitri Hvorostovsky nach einer Krankheitspause auf die Staatsopernbühne zurückgekehrt. Mehr verletzlich als herrisch legte er den Vater Germont an, stattete ihn mit wissender Ruhe und Gelassenheit aus. Emotionale Höhepunkte des Abends: die "Di provenza"-Ansprache und die finale Versöhnungsszene.