"Geächtet" ist derzeit so etwas wie das Stück der Stunde: Mit beachtlicher Komplexität werden darin während einer eskalierenden Dinner-Party der Islam und der Blick des Westens auf den Islam kritisiert. Die Dialoge sind geschult an Yasmina Reza und Edward Albee: boulevardesk, aber pointiert.

Seit seiner Uraufführung 2012 in Chicago erlebte das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Stück einen beispiellosen Siegeszug: In den USA zählt es zu den meistgespielten Werken, auf zahlreichen deutschsprachigen Bühnen war es bereits zu sehen. Am Samstag, den 26.November, kommt "Geächtet" nun am Wiener Burgtheater heraus. Während der Endproben sprach die "Wiener Zeitung" mit dem US-pakistanischen Broadway-Star Ayad Akhtar, 46.

"Wiener Zeitung":In Ihrem Stück "Geächtet" prallen gängige Vorurteile in einem vermeintlich weltoffenen Milieu aufeinander. Warum amüsieren wir uns über eigentlich überkommene Klischees?

Ayad Akhtar: Das weiß ich auch nicht. Tatsache ist, dass das Publikum in die Handlung eintaucht und am Ende häufig irritiert ist. Das Stück löst die Widersprüche nämlich nicht auf, vielmehr zeigt es Dynamiken, wie ethnische Minderheiten im Westen wahrgenommen werden. Manche Zuschauer sehen danach ihre Vorurteile bestätigt, andere nehmen es zum Anlass, ihre Vorurteile zu überdenken.

Befürchten Sie, von rechten oder konservativen Kräften missverstanden zu werden?

Ich fürchte nichts, aber ich hoffe auch auf nichts.

"Geächtet" spielt in der New Yorker Upper Class, Sie verbinden sozialen Aufstieg mit religiösen Fragen. Eine gelungene Mischung?

Das elegante Setting will im Grunde nur das Publikum anregen, sich auf die Handlung einzulassen. Für mich war Religion immer sehr wichtig, es war naheliegend, dass ich mich in meinen Texten damit auseinandersetze.

Orten Sie allgemein eine Renaissance der Religion?

Wir sehen doch, dass das Vermächtnis der Avantgarde auseinanderbricht und die Ideen der Aufklärung erodieren. Es scheint, als könne das Projekt der Aufklärung das existenzielle menschliche Bedürfnis nach Sinn und Bedeutung nicht wirklich befriedigen. Unter dem Diktat von Wirtschaft und Technologie finden Menschen keinen Lebenssinn.