(irr) Vor zwei Wochen war Helge Schneider in der Stadt. Der Unsinnsvirtuose ist derzeit in Höchstform. Wenn er nicht singt, lässt er Redensarten ins Leere laufen, untergräbt Alltagsplattitüden mit ganzen Katakomben des Nonsens. Von der rauen Vita des "Meisenmanns" bis zum Anfang eines fiktiven Detektivromans ("Ich wachte auf mit einem Scheuerlappen im Mund") ist das so irrwitzig wie subversiv.

Phrasen hört man nun auch in einer Programmreihe des Festivals Wien Modern - aber ohne kreativen Twist. "Ökonomien des Handelns" heißt das bedeutungsschwere Projekt, das den Themen "Kredit", "Recht", "Liebe" je einen Abend widmet. Am Donnerstag ("Kredit") wurde das Brut-Künstlerhaus zum Austragungsort eines Bullshit-Bingos für Börsianer und Soziologen: Worte wie "Big Picture" und "BIP", Satzfetzen wie "Kredit als paradigmatischer Zeitverhalt einer vorfixierten Zukunft" spicken eine Endlos-Suada. Zwar stellen sich in der Fremdwortwüste auch ein paar Erkenntnisoasen ein. Und in seiner "Maschek"-artigen Anlage könnte der Abend an sich Reiz haben: Zwei Sprecher synchronisieren wackelige Filmbilder, ein Geräuschemacher arbeitet ebenso mit wie eine (gute) Soundtüftlerin und ein Klassikchor. Letzterer wird aber ebenso mit Lärm zugemüllt wie die dauerschlauen Sätze, die auch oft jählings abreißen. Kritik an einer Phrasenwelt? Soll sein. Aber will man hier nicht auch auf- und erklären, kommunizieren? "Es ist etwas passiert außerhalb des Systems", heißt es immer wieder. Tatsächlich passiert hier nichts. Schon gar nicht außerhalb eines selbstreferenziell bedienten Systems namens Performance. Dem bösen Börsianer wird nur eines entgegengehalten: das weiße Rauschen der Prätention.