Miriam Fussenegger und Jeanne Devos . - © Werk X/Chloe Potter
Miriam Fussenegger und Jeanne Devos . - © Werk X/Chloe Potter

"Was soll dieser ganze Aufzug? Was soll das alles darstellen?" Wenn diese Sätze auf der von Christoph Ernst antiquiert gestalteten Guckkastenbühne im Wiener Werk X fallen, hat man sich im Publikum dieser Uraufführung solche Fragen schon längst gestellt. Was Thirza Bruncken und Esther Holland-Merthen aus dem surrealistischen 1000-Seiten-Roman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" von Clemens J. Setz gemacht haben, wirkt wie einzelne wahllos verstreute Puzzleteile eines abstrakten Gemäldes.

Wer den Roman kennt, weiß, dass es um eine junge Pflegerin namens Natalie und ihre Obsessionen, um Stalking, um Behinderung, um Täter und Opfer geht. Wer diese Inszenierung von Thirza Bruncken sieht, hört Textfetzen und Namen, mit denen er wenig anfangen kann. Dazu gilt es, ungebührlich lange lauten Discosound und andere lästige Geräusche, nahezu unerträgliches Lichtzerhacken, wilde Tanzeinlagen und eher dümmliches Grimassenschneiden zu ertragen. Aber trotz aller Effekthascherei - Umkleideszenen der Damen auf offener Bühne inklusive - bleibt der Abend langweilig. Die fünf Akteure (Jeanne Devos, Marta Kizyma, Miriam Fussenegger, Mirco Reseg, Dominik Warta), die keine Rollen spielen, sondern sich Sätze aus dem Buch aufteilen, zeigen zwar enormen Einsatz, können aber die Aufführung nicht retten.

Es geht explizit um Nonsens, pardon: Nonseq, wie der hier verwendete Begriff lautet: Das bedeutet das Fehlen jeder logischen Abfolge. Insofern spiegeln Werk und Inszenierung durchaus das soziale Leben von heute wider: Willkommen im postfaktischen Zeitalter!