Einmal noch in Hochzeitspose: Fritsch, Radakovits. - © R. Werner
Einmal noch in Hochzeitspose: Fritsch, Radakovits. - © R. Werner

A-Ha weiß es und jeder Freund der norwegischen 80er-Band auch: Im Fernsehen scheint die Sonne immer. Überhaupt, wenn der Peter Alexander im Fernsehen ist. Den schauen sich auch Anni und Heinz immer gern an. Wenn der Peter Alexander zum Abschied winkt, träumt Anni davon, dass sie auch einmal nach Wien kommt. Und dann verklingt A-Ha und ein Walzer wird angestimmt.

Bei Andreas Schmitzs Inszenierung von Franz Xaver Kroetzs "Oberösterreich" im Vestibül wird Musik als ganz zentrales dramaturgisches Element verwendet, das die an sich sehr überschaubare Handlung in verschiedenen Farben leuchten lässt und strukturiert. Anni und Heinz sind ein jung verheiratetes Ehepaar, das man erst mit allen ihren Träumen kennenlernt, bis Anni schwanger wird, worüber sich Heinz nicht so freut wie sie, und von ihr verlangt, dass sie das Kind abtreibt. Weil sich das finanziell genauso wenig ausgeht wie ein Swimming Pool. Oder überhaupt ein Garten für einen Swimming Pool.

Diese durchaus schmale Inhaltsangabe wird von den Schauspielern Alina Fritsch und Christoph Radakovits mit prallem Leben gefüllt. Anfangs stellen sie sich immer wieder in Hochzeitsfoto-Positur (Fritsch trägt da auch noch ihr Brautkleid), demonstrieren die romantische Verklärtheit von Lebensillusionen - und zeigen damit gleichzeitig, wie fragil solche aufgesetzten, oberflächlichen Vorstellungen sind: Ein eingefrorenes Lächeln hält eben nur bis zur ersten heißen Diskussion über die verwordagelte Zukunft. Und wie sagt Heinz einmal: "Das macht mich ganz müd, diese Fantasien."

Heinz lässt sich eher gehen, er tauscht den Hochzeitsanzug bald gegen den Jogger ein, während Anni sich noch als Geschenk für ihren Mann verpackt, im roten Minikleid mit Gigantomasche am Dekolleté. Auf der kleinen Bühne (Korbinian Schmidt) gibt es nicht viel mehr als zwei Plastik-Gartensessel und einen roten Vorhang, der wahlweise auch als Tischtuch zweckentfremdet wird oder als Bettzeug, für die wahrscheinlich originellste Trostloser-Sex-Szene seit langem. Aktuelle Diskussionen über Abtreibungsverbote in Polen verleihen dem Stück aus 1972 eine unerwartete Zeitnähe. Schmitz macht das meiste aus dem kleinen Raum im Vestibül, etwa als die beiden ihre finanzielle Bilanz reichlich durchrechnen, indem sie alle Ausgaben auf die Wand zeichnen und dann die eingesparten Teile (Auto, Friseur) mitsamt Tapete abreißen.

Manchmal übertreibt es die Regie mit den Metaphern, etwa wenn die beiden mit Säcken über dem Kopf darüber diskutieren, dass sie sich nicht "raussehen" mit einem Kind. Der positive Eindruck, vor allem der beiden Schauspieler, die die perfekte Balance zwischen comichafter Überzeichnung und berührender Alltagsdarstellung finden.