Neues Kindertheater in Perchtoldsdorf: Birgit Oswald (Bild unten) hat das Theo gegründet. "Die Kuh Rosmarie" steht am Spielplan (Bild oben: Karoline Gans, Bildmitte: Isabell Pannagl). - © Pálffy, u: Reichmann
Neues Kindertheater in Perchtoldsdorf: Birgit Oswald (Bild unten) hat das Theo gegründet. "Die Kuh Rosmarie" steht am Spielplan (Bild oben: Karoline Gans, Bildmitte: Isabell Pannagl). - © Pálffy, u: Reichmann

Nicht Muh und Mäh sagen - von wegen. Die Kuh Rosmarie in Andri Beyelers gleichnamigen Kindertheaterstück plappert die ganze Zeit. Die Kabarettistin Isabell Pannagl verkörpert die Titelrolle mit Verve: Sie bindet sich ein schwarz-weiß-geflecktes Schürzchen um, trägt Spitzenhandschuhe und Handtasche. Die Kuh Rosmarie hält nämlich viel von feinen Manieren. Am Bauernhof hat sie freilich ihre liebe Not mit den anderen Tieren: Das Schwein wälzt sich im Dreck, also nein! Der Hund verbeißt sich in seinen Knochen, wie unappetitlich! Und das Huhn gackert vor Freude, als es ein Ei gelegt hat, na pfui!

In einem fort schimpft und meckert die Rosmarie mit den anderen Tieren, die allesamt von Karoline Gans dargestellt werden. Eines Tages hat der Bauer genug von ihrer Besserwisserei, verbannt sie nach Afrika- und löst damit erst recht ein Tohuwabohu aus.

Das Zweipersonenstück "Die Kuh Rosmarie" steht nun am Spielplan des neuen Kindertheaters in Perchtoldsdorf, das im Kulturzentrum, ein Stahlbau aus den 1970er Jahren, Quartier bezogen hat. Der Bühnenraum, ein Mehrzweckraum mit Belüftungsrohren an der Decke, ist mit einfachen Mitteln und wenigen Versatzstücken dekoriert. Doch die Spielfreude der beiden Akteurinnen lässt einen die nüchterne Umgebung bald vergessen.

Initiatorin des ambitionierten Unternehmens ist Birgit Oswald. Die Schauspielerin kommt aus Perchtoldsdorf. Nach ihrer Ausbildung an der ehemaligen Schauspielschule des Volkstheaters führten sie Engagements zunächst nach Deutschland. Nach mehr als 20 Jahren zog es sie in ihre Heimatgemeinde zurück. "Ich wollte etwas in meinem Leben verändern", sagt Oswald im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", "etwas Eigenes auf die Beine stellen." Im Sommer 2007 bringt sie erstmals ein Kindertheaterstück - "Das Rätsel der gestohlenen Stimmen" - im Kulturzentrum Perchtoldsdorf heraus. In den folgenden acht Jahren stemmte die engagierte Theatermacherin nahezu jeden Sommer eine Inszenierung für junges Publikum. "Wir waren immer ausverkauft", so Oswald.

Der Zuspruch des Publikums und die Unterstützung der Fördergeber ermunterten sie, in dieser Spielzeit erstmals vom Sommertheater auf einen Ganzjahresbetrieb umzusteigen.

Nach "Die Kuh Rosmarie" feiert am 23. März "Cyrano" Premiere (für 11- bis 15-Jährige), am 24. August folgt "Heidi". Bislang erzielte das Theo eine Auslastung von über 60 Prozent. "Das ist sehr gut für ein neues Theater", so Oswald.

Pionierarbeit


In Niederösterreich gibt es bis auf wenige Ausnahmen - wie das Landestheater in St. Pölten, das in jeder Spielzeit Aufführungen für junges Publikum zeigt, das MÖP Figurentheater in Mödling und das Theatertrittbrettl in Pressbaum - kein festes Haus für Kinder- und Jugendtheater. Aufführungen werden hauptsächlich von frei vazierende Theaterformationen bestritten wie Moki oder das Musiktheaterprojekt teatro. Ein Meilenstein ist das alljährliche Kindertheaterfestival szene bunte wähne. Gegründet vom ehemaligen Dschungel-Intendant Stephan Rabl, bespielt das Festival seit 1991 von Horn aus das Land mit erstklassigem Kindertheater aus dem In- und Ausland - in diesem Jahr von 17. Mai bis 25. Juni.

"Wir leisten hier Pionierarbeit", so Oswald. Ihr Anspruch? "Gutes Theater für die ganze Familie." Ein Anfang ist gemacht.

theater

Die Kuh Rosmarie

Theo, Perchtoldsdorf, bis 5. März

www.theaterort.at