3. September 1939. Der Zweite Weltkrieg ist gerade ausgebrochen, als der 40-jährige Schriftsteller C.S. Lewis den todkranken Psychoanalytiker Sigmund Freud in dessen Londoner Villa besucht. Um dieses historisch nicht belegte Treffen geht es im Drama "Freuds letzte Sitzung" des US-Autors Mark St. Germain, das gerade an der Freien Bühne Wieden seine deutschsprachige Erstaufführung erlebte. Lewis, der mit dem "Herr der Ringe"-Autor J.R.R. Tolkien zu den Oxforder "Inklings" zählte, konfrontiert den Atheisten Freud mit seinem plötzlich gewonnenen christlichen Glauben. Den Dialog der beiden großen Geister in einem an Freuds Wiener Arbeitszimmer erinnernden Raum umrahmen oder unterbrechen Hundegebell, Telefonate, Radiomeldungen oder -reden (zuletzt König Georg VI. im Originalton), aber auch Motoren- und Sirenentöne, auf die vor allem der im Ersten Weltkrieg verwundete Lewis äußerst nervös reagiert. Das Gespräch kreist ständig um die Frage der Existenz Gottes. Als Lewis zu der Einsicht kommt, es sei verrückt, das größte Mysterium aller Zeiten an einem Vormittag lösen zu wollen, entgegnet Freud, der ein leidenschaftlicher Sammler sakraler Gegenstände ist, es sei noch verrückter, sich gar nicht damit zu beschäftigen.

Das will offenbar auch Reinhard Hausers präzise Inszenierung, die Skepsis und Glaube gleichermaßen gelten lässt, aussagen. Als sowohl temperament- als auch humorvoller Freud liefert Gerhard Dorfer eine seiner besten schauspielerischen Leistungen, wirkt dabei aber keinesfalls 40 Jahre älter als Felix Kurmayer, der sich als sehr nachdenklicher C.S. Lewis einmal sogar auf die berühmte Couch legt. Alles in allem eine sehenswerte Aufführung.

Theater

Freuds letzte Sitzung

bis 4. Februar (0664/3723272)