Maurer (hinten) und Novovesky fürchten sich im Hotel. - © Moritz Ziegler
Maurer (hinten) und Novovesky fürchten sich im Hotel. - © Moritz Ziegler

Es ist ein kurzer Auftritt. Ein wirklich kurzer Auftritt. Denn Daniel Maurer und sein Kabarett-Kollege Mathias Novovesky verschwinden nach nicht einmal fünf Minuten wieder hinter die Bühne und lassen ihr Publikum zunächst etwas ratlos zurück. War es das jetzt wirklich schon wieder? Wohl kaum. Doch erloschen ist das Licht, das soeben noch die Künstler angestrahlt hat. Und die Lichtfarbe erinnert nun mehr an eine Arbeitsleuchte in einer Kellerwerkstatt oder eben einfach an eine Garderobe für die Künstler einer Kleinkunstbühne. Und da tauchen Maurer und Novovesky auch schon wieder in ebendieser Garderobe auf. Sie reden über ihr Publikum, zum Beispiel über die Dame in der zweiten Reihe, die mit den langen Haaren. Eine Traumfrau. Auch ihren Auftritt lassen sie Revue passieren und begeben sich dann zurück ins Hotel.


Denn wenn das Duo im WIener Kabarett Niedermair spielt, ist selbstverständlich ein Hotelzimmer für die beiden reserviert. Willkommen fühlen sich Maurer und Novovesky jedoch nicht im "Hotel Savoy" (in Anlehnung an Joseph Roths Roman). Hier sind sie von merkwürdigen Zeitgenossen umgeben, und Fluchtgedanken kommen auf. Sie fühlen sich bedroht und fürchten sogar um ihr Leben. Novovesky bangt zudem um das Wohl seines Katers Bertl, den er bei sich hatte und der auf merkwürdige Weise aus dem Hotelzimmer verschwunden ist.

Bertl muss also gefunden werden. Während sich die beiden Kabarettisten auf die Suche begeben, kreuzen sich unweigerlich die Wege der verschiedenen Charaktere in diesem außergewöhnlichen Hotel. Weit mehr als acht Figuren stellen sie in ihrer Inszenierung dar: vom Taxifahrer mit Kunstblase bis zum Fleischhauer mit Puszta-Leberkäse. Die Gegensätze reichen vom wohlhabenden, verständnislosen Hotelinhaber bis zum armen Handtuchwäscher. Auch eine Figur, die an Che Guevara erinnert, ist dabei. Für den passenden Soundtrack sorgt eine außergewöhnliche Hotelkapelle. Das alles ist ein idealer Nährboden für eine Revolution. Kritische Gedanken über unsere Gesellschaft verstehen sich da von selbst. Und Maurer und Novovesky stecken mittendrin. Der Kater hat bereits die Flucht ergriffen. Und dann wird Martin Luther King zitiert: "Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort heißt Ungerechtigkeit an jedem anderen Ort."

Im Hotel treffen die beiden auch auf einen furchteinflößenden Fleischhauer. - © Moritz Ziegler
Im Hotel treffen die beiden auch auf einen furchteinflößenden Fleischhauer. - © Moritz Ziegler

Ihre schrägen Figuren im "Hotel Savoy" verkörpern die beiden Kabarettisten nicht nur mit Begeisterung, sondern äußerst amüsant. Unter der Regie von Gabi Rothmüller ist ihnen auf dieser Kleinkunstbühne wirklich große Kunst gelungen.