Gery Seidl ist in seinem Element, wenn er sich auf der Bühne über irgendwas aufregt. - © Ernesto Gelles
Gery Seidl ist in seinem Element, wenn er sich auf der Bühne über irgendwas aufregt. - © Ernesto Gelles

Gery Seidl ist ein Sonntagskind. Und ein Muttertagskind noch dazu. Er hat also geburtstagstechnisch quasi den Jackpot geknackt, wie es der Gewinner des Salzburger Stiers 2016 gleich zu Beginn seines neuen Soloprogramms formuliert. Und wer, wenn nicht er, könnte also ein Glückskind und glücklich sein? Und trotzdem: Wie in allen seinen Programmen widmet er sich auch diesmal mit Hingabe lieber jenen Kleinigkeiten, die das Leben erst unangenehm machen. Den Widrigkeiten des Alltags, an denen sein männliches Ego zerschellt. Den ganzen Trotteln rund um ihn herum, denen sein Hausverstand, der im weißen Hemd ganz ohne Rollkragen steckt, einfach nicht gewachsen ist.

Vor allem das Mann-Frau- und das Beziehungsthema kommen diesmal wieder ausgiebig vor: Gery Seidl erklärt den Unterschied zwischen Männerfreundschaften und Ehen; stellt fest, dass Löwen schon immer richtig "gendern" (sie jagt, er frisst); und weiß genau, dass er im Streitgespräch mit seiner Frau trotz technischer Überlegenheit letztlich nur verlieren kann. Freilich sind zumindest die Beziehungsszenen, die er auf der Bühne nachspielt, satirisch überzeichnet oder gar frei erfunden - andernfalls hätte seine Frau wohl nach der ersten Vorpremiere die Scheidung eingereicht, so brutal und gleichzeitig genussvoll geht der Kabarettist hier zu Werke.

Aber, und das zeichnet halt dann einen Gery Seidl aus: Gar so locker-flockig, wie es zunächst den Anschein hat, ist es dann gar nicht. Dann nachdem er sein Publikum warmgespielt hat, biegt er mit ihm unversehens in viel ernstere Gefilde ab. Und was soeben noch ein flacher Gag war ist plötzlich ein tiefschürfender Gedanke. Nicht nur schauspielerisch, sondern auch inhaltlich ist Gery Seidl in Hochform.