Annemarie Kremer als Heliane in der Volksoper. - © Pálffy/Volksoper
Annemarie Kremer als Heliane in der Volksoper. - © Pálffy/Volksoper

Kleine Korngold-Festwochen in Wien: Auf die Wiederaufnahme der "Toten Stadt" im Haus am Ring folgte eine Erstaufführung an der Volksoper, die es in sich hatte. "Das Wunder der Heliane", das Erich Wolfgang Korngold 1927 auf ein religiöses Mysterienspiel des österreichischen Dichters Hans Kaltneker schuf, sollte eines seiner Lieblingswerke werden. Und verschwand von den Bühnen dieser Welt. Nun also die konzertante Wiederentdeckung für Wien, die Klischees zu Werk und Tondichter erneuerte, aber auch widerlegte.

Da herrschte in Neben-, Seiten-, Ober- und Unterchören wie Bläsern aus dem Off die Korngold’sche Gigantomanie vor, im Dolby Surround, Filmmusik eben. Kein Wunder, dass der Komponist gerade dank dieser musiktheatralisch perfekten Opulenz einer der Väter der wirkungsvollen Musik zu den Bildern wurde. Thematisch wie musikalisch soll seine Heliane sperrig sein. Ja, sie war fordernd und im Endeffekt unglaublich vital.

Königin Heliane gibt sich im Geiste dem gefangenen Propheten (überzeugend klar: Daniel Kirch) hin - Annemarie Kremer fesselte als Titelheldin in ihrem packenden Kampf zwischen Gefühl, Lust und Läuterung. Dieser persönliche Kampf kam beim königlichen Gatten ganz anders an: Martin Winklers Bass herrschte souverän über das ganze Haus, aber nicht über die Liebe der Gattin. Das Volk wurde von allerlei Höflingen aufgehetzt (schauderhaft schöne Botin von Martina Mikelić) und beschwichtigt (solider Schwertrichter: Mehrzad Montazeri). Auf Anklage und Gottesgericht folgten der Gattenmord und eine Apotheose. Dirigent Jac van Steen verlangte dem präzise agierenden Volksopernorchester der opulenten Partitur entsprechend viel ab.

So konnte sich am Ende niemand dem Wunder Heliane entziehen. Hingehen ist bei nur zwei Folgevorstellungen sehr empfehlenswert.