Das naive Welttheater fragt nach Gott und Liebe. - © Odeon/Harald Jahn
Das naive Welttheater fragt nach Gott und Liebe. - © Odeon/Harald Jahn

Das Serapions Ensemble hat ein schönes Zuhause. In der steinernen Halle des Odeon ist Platz genug für all die Tücher, Kulissen, Bauten und Stöcke mit denen da hantiert wird. Die neue Produktion heißt "Das Rauschen der Flügel" und versteht sich als Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe unter dem Titel "fidèles d’amour". Um Liebe geht es, um eine sogenannte "Herzensbildung" will sich das Ensemble in Anbetracht des Zustandes der Welt bemühen. Gewohnt üppig, was die Requisiten und Kostüme angeht, und gewohnt zurückhaltend, was einen inhaltlichen Zusammenhang angeht, präsentiert der 90-Minuten Abend beeindruckende Bildkompositionen von erschreckend naivem Inhalt.

Weil es nämlich um Liebe geht, stehen im Zentrum der Textfragmente (von Dschalal ad-Din ar-Rumi, Karl Valentin, Johann Wolfgang von Goethe und andere) Fragen nach Gott, Zusammenhalt und männlicher Kraft. Die aus dem Kontext gerissenen Zitate werden zu aphoristischen Monumentalsätzen und verwehren sich einer inhaltlichen Infragestellung. Die allzu großen Themen und Gefühle, die das Serapions Ensemble in enervierender Allgemeinheit verhandeln will, entziehen sich so erst recht.

Aber: Was der Abend auch zeigt, ist die immense Detailarbeit die dieses Ensemble zu einem so zusammen- und aneinandergewachsen macht. Jeder Tanzschritt und jede Bewegung der Requisiten führen die Performenden mit einer individuellen Genauigkeit aus. Am Ende baumelt ein riesiges Mobile von der Decke, das Licht wird weniger und die Musik zerfällt ins eigene Rauschen zusammen. Beeindruckende Bildkompositionen!