Da ist Macht. Er ist Werbeberater und verkauft die Gegenkultur ohne schlechtes Gewissen an den Kommerz. Und da ist Rebel. Ein desillusionierter Ex-Untergrundaktivist, der für die "Toleranzhölle" westlicher Demokratien nur mehr Verachtung über hat. Welch destruktive Kräfte die Freundschaft der beiden zu entfalten vermag - Stichwort: Pädophilie, Flirt mit Nazi-Ideologien, Rekrutierung einer Armee aus Problemkindern -, davon handelt "Macht und Rebel", Band zwei der Romantrilogie von Matias Faldbakken.

Der norwegische Autor, Jahrgang 1973, avancierte mit der brutalen Satire auf alles, was der westlichen Gesellschaft lieb und teuer ist, zum Kultautor. Die Kritik verglich ihn ob seiner drastischen sexuellen Schilderungen (besondere Vorliebe: Analpenetration) mit Michel Houellebecq, die Gewaltobsession teilt er mit Bret Easton Ellis. Der Grundtenor der 2005 und 2009 auf deutsch erschienen Bände ist Skepsis und Überdruss, die Kardinalfrage: Ist im globalen Turbokapitalismus linker Widerstand überhaupt noch möglich?

Die toxische Popliteratur gelangte in Berlin und München bereits auf die Bühne. Hierzulande erwarb Werk-X-Intendant Ali M. Abdullah Lorbeeren für seine Faldbakken-Dramatisierungen.

Nach der Porno-Face "The Cocka Hola Company" und "Unfun", den blutigen Abgesang auf die Kleinfamilie, setzt er nun mit "Macht und Rebel" im Werk X einen zündenden Schlusspunkt.

Der Clou der Inszenierung: Alle Figuren werden, anders als bei den anderen beiden Teilen, von Frauen dargestellt. Das Frauenensemble bricht im Werk X zu einem irrwitzigen Kreuzzug gegen die westliche Konsensgesellschaft auf: Michaela Bilgeri (Macht), Constanze Passin (Rebel) sowie Katrin Grumeth, Bettina Schwarz und Carina Werthmüller in Mehrfachrollen. Den passenden Sound liefert Andreas Dauböck live. Die ausgesucht geschmacklosen Kostüme - Jogginganzug (pink), Sneakers (glitzernd), Cargo-Hosen (tarnfarben) - kommen von Renato Uz, der auch die Bühne gestaltete.

Die Travestie erweist sich als überaus effektvoll und führt zu herrlich absurden Auftritten - etwa wenn Bilgeri und Passin sich Plastikdildos anheften und nonstop Penetration simulieren. Sublimität ist nicht gerade Hauptanliegen der zweistündigen Aufführung. Vielmehr wird hochenergetisches Diskurstheater geboten, bei dem ganz allgemein die westliche Welt und im Besonderen die subversive Kulturelite verbal vernichtet werden. Mitunter kommt es an diesem Abend auch zu Handgreiflichkeiten: Die fünf Akteurinnen agieren auf einem beachtlichen Aggressionslevel, schlagen einander zu Boden und treten noch nach. In einer Szene greifen sie sogar zu Waffen und schießen mit Plastikpatronen aufeinander.

Die inszenierten Gewaltorgien und die derbe Sprache erhalten durch das Cross-Dressing einen ironischen Grundton. Die Machowelt wird auf diese Weise noch deutlicher desavouiert. Ein Frontalangriff auf den guten Geschmack.

theater

Macht und Rebel

Werk X

Wh.: 26. Feb, 1., 2., 15., 17. März