Das Leben in den heutigen Zeiten ist oft ein schwieriges. Wer sich dem hohen Wellengang, den Gegenströmungen und dem Wind, der einem ins Gesicht bläst, widersetzen will, braucht einen guten Kapitän. Und selbst wenn der Wind fehlt, heißt es mit der Flaute durchzukommen.

In seinem neuen Kabarettprogramm "Captain Rudle" will Gerold Rudle genau dieser umsichtige Lenker an Bord des Schiffes sein. Und auch wenn die Erlangung des kroatischen Küstenpatentes schon eine mit Widrigkeiten verbundene Herausforderung war, so fühlt sich der Kabarettist bestens in der Lage, seine Crew und die Passagiere (in diesem Fall die Zuschauer) durch die hohe See zu geleiten. Von der Enge der Bordtoilette bis zur Vorstellung, dass beim Sturm etwas in die Hose geht und man an den Rat der Mutter denkt, die eine saubere Unterhose für den Fall einer Spitalseinlieferung empfohlen hat, geht es zu Beginn. Danach um die Frage, was an Bord eines Schiffes wirklich zählt. Ist Fortschritt nicht immer auch irgendwo ein Rückschritt?

Am Beispiel des Mobiltelefons parodiert Rudle die heutige Gesellschaft, die sich aufgrund der übertriebenen Handynutzung wieder gebückt fortbewegen wird. WhatsApp-Nutzer werden ebenso persifliert wie die Generation Facebook und der Selfiestick, der "Vibrator der Jugend". Ein kleiner Exkurs zum Vierteltelefon und der steigenden Geschwindigkeit der modernen Kommunikation darf nicht fehlen. Immerhin gibt Rudle dann auch ein Liebeslied an das Handy zum Besten. Eine gelungene Politikerpersiflage über Erwin Pröll mit Frau und Freundin an Bord sorgte für großes Gelächter. Und der politisch nicht korrekte Schiffskoch darf über Frauen, Gender und Beziehungen philosophieren.

Die Passagiere verlassen am Ende das Schiff mit Lachmuskelüberbeanspruchung. Und mit viel Applaus. Danach wird noch zur Rettung der Wale aufgerufen.

Kabarett

Gerold Rudle: "Captain Rudle"

3.3. Zwentendorf, 5.3. Orpheum