Alkoholismus ist wohl eines der letzten Tabus. Darüber spricht man nicht gern, vor allem wenn es eine Frau betrifft, schlimmer noch: eine Mutter. Der rumänisch-deutsche Autor Thomas Perle, 30, verhandelt in seinem Debütstück auf überaus konzentrierte Weise das Abgleiten einer jungen Mutter in die Alkoholsucht. "Mutterseele. Dieses Leben wollte ich nicht" zeigt auf, wie das Leben einer Familie von der Sucht verdüstert wird und schließlich zerbricht.

Das Stück wurde im Eldorado, der Werk-X-Spielstätte am Petersplatz (vormals: Ensembletheater), uraufgeführt. Im Zentrum der knapp einstündigen Aufführung steht die naturgemäß schwierige Mutter-Tochter-Beziehung: In knappen Sätzen, die nicht zu Ende gesprochen werden, und in spröd skizzierten Szenen entwirft Perle ein Dickicht aus Ausweglosigkeit und Abhängigkeit, in dem sich das Leid der Mutter mit dem ihres Kindes zunehmend verstrickt. Durch die ständige Sorge um die Mutter gerät das Leben der erwachsenen Tochter ins Wanken.

Die Bühne spiegelt den Zuschauerraum: Das Publikum nimmt auf grauen Stufen Platz, es gibt keine Stühle, vis-à-vis agieren die fünf Akteure ebenfalls auf grauen Stufen. Regisseurin Lina Hölscher vertraut dem Text, der im Rahmen des interkulturellen Autorentheaterprojekts Wiener Wortstätten entstanden ist. Ohne Verrenkungen und Firlefanz werden die nüchternen Passagen meist frontal ins Publikum rezitiert.

Das funktioniert erstaunlich gut. Die Verzweiflung der Mutter (Claudia Carus und Lilly Prohaska), Scham und Wut der Tochter (Lisa Weidenmüller) dringen in einigen Szenen auf beklemmende Weise durch. Doch Perles Annäherung an das komplexe Thema bleibt etwas zu sehr im Klischee verhaftet, liefert allzu naheliegende Erklärungen. Der Blick hinter die Fassaden einer Familie, die von Alkoholsucht zerrieben wird, hätte eigentlich noch drastischer ausfallen können.

Dennoch, ein vielversprechendes Autorendebüt und eine durchaus bezwingende Uraufführung.