• vom 27.03.2017, 17:07 Uhr

Bühne


Opernkritik

Es geht auch ohne Tenor




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Von Judith Belfkih


    Oper spielt seit jeher mit Rollen-Klischees. Vor allem in der Wahl der Stimmlage einer Figur. Der Tenor ist der Held, der meist sterben muss, der Bassbariton sein finsterer Gegenspieler. Beide buhlen vielleicht noch um den edlen Sopran, selten um einen Mezzo.

    Ganz so einfach ist es in Jules Massenets "Werther" nicht, doch der Titelheld ist üblicherweise ein, wenn nicht junger, dann ein möglichst jugendlicher Tenor. Die Wiener Staatsoper zeigt derzeit eine spannende Spielserie der selten gespielten Bariton-Fassung der Oper. Nicht nur gibt dieser Lagenwechsel der Figur einen reiferen Anstrich, es gibt auch nicht viele Sänger, die diese Partie überzeugend singen können. Ludovic Tézier kann. Der französische Bariton ist heldisch, flexibel und präsent genug, in den Höhen verfügt er sogar über einen Hauch tenoralen Glanz. Adrian Eröd mit seinem schlanken, kompakten Bariton ist als Albert ein wunderbarer Kontrast dazu. Sophie Koch ist eine starke, aber wenig differenzierte oder berührende Charlotte. Ein erfreuliches Rollendebüt gab in der nach wie vor tadellosen Inszenierung von Andrei Serban Maria Nazarova als luftige Sophie.


    Schwierigkeiten mit der Fassung schien am Sonntag Dirigent Frédéric Chaslin zu haben. Es gelang ihm erst in den finalen Akten, das Geschehen musikalisch zu einem klaren Bogen zu verdichten. Ihre dramatische Sogkraft entfaltete die Partitur jedoch nur selten. Fazit: Es geht auch ohne Tenor. Überzeugender und strahlender ist die Oper jedoch eindeutig mit.

    Oper

    Werther

    Wiener Staatsoper

    Frédéric Chaslin (Dirigat)

    Ludovic Tézier, Adrian Eröd, Sophie Koch, Maria Nazarova

    Termine 28. und 31. 3. sowie 3. 4.




    Schlagwörter

    Opernkritik, Werther, Staatsoper

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    Dokument erstellt am 2017-03-27 17:12:13


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