• vom 19.04.2017, 16:34 Uhr

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Von Petra Paterno

  • Karin Bergmann wird das Burgtheater 2019 verlassen, die Neuausschreibung läuft bereits.

Karin Bergmann geht.

Karin Bergmann geht.© Reinhard Werner Karin Bergmann geht.© Reinhard Werner

Wien. "Ich halte es für richtig, dass eine jüngere Theaterleitung das Haus in die Zukunft führt", hält Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann in einer knappen Aussendung fest. Die 63-Jährige kündigt darin an, dass sie das Burgtheater 2019 verlassen und sich nicht um eine Verlängerung ihres Vertrages bewerben wird.

Die Suche nach einer neuen Leitung ist bereits eröffnet: Am Mittwoch wurde die Ausschreibung von der Holding online veröffentlicht, diesen Freitag erscheint sie im Amtsblatt der "Wiener Zeitung". Die Bewerbungsfrist läuft bis 21. Mai. Bis zum Ende der Saison will Kulturminister Thomas Drozda eine Entscheidung fällen. Wie bei der Staatsoper verzichtet der Minister auf eine Findungskommission, vielmehr wird eine Personalberatung in den Prozess involviert. Ob er bereits einen Überraschungskandidaten im Auge habe - siehe: Bogdan Roščić als designierter Staatsopern-Direktor -, lässt der Minister offen.


Konsolidierungskraft
"Mir wird erst jetzt so richtig bewusst, was es für ein Wahnsinnsschritt war, hier anzutreten ohne die geringste Vorbereitungszeit", gab Karin Bergmann neulich in einem Interview mit der "Wiener Zeitung" zu. Kein Wunder. Schließlich wurde sie am Höhepunkt des Finanzskandals ans Haus geholt.

Im Frühjahr 2014 wurde von einem Tag auf den anderen Matthias Hartmann als Burg-Chef entlassen. Der Burg-Führung wurden Malversationen vorgeworfen, die Gerichte sind noch immer mit der Aufarbeitung beschäftigt. Ein Schuldenberg von beinahe 20 Millionen Euro erwartete die Neo-Direktorin, die übrigens die erste Frau an der Spitze des Hauses war. Karin Bergmann erschien als ideale Problemlöserin: Sie kennt das Haus wie kaum jemand sonst, schließlich kam sie bereits 1986 mit Claus Peymann ans Haus und blieb dort mit einigen Unterbrechung bis 2010, zuletzt als Vize-Direktorin.

Mit jenem Direktoren-Duo, das für die Finanzkrise verantwortlich gemacht wird, hatte Bergmann in ihren letzten Jahren an der Burg noch zu tun: Silvia Stantejsky wurde 2008 zur kaufmännischen Geschäftsführerin bestellt, Matthias Hartmann trat die Bachler-Nachfolge 2009 an. Nach nur einer Saison als dessen Stellvertreterin verabschiedete sich Bergmann 2010 in die Pension, an Unstimmigkeiten mit Hartmann habe das aber nicht gelegen, betonte sie stets. Anerkennung und Wertschätzung der Mitarbeiter sind ihr seit Langem gewiss, auch nach drei Jahren Sparkurs genießt sie noch die Sympathien des Ensembles.

"Anfangs war ich fast ausschließlich mit aktuellen Problemen beschäftigt", so Bergmann gegenüber der "Wiener Zeitung". "In Windeseile musste ich einen Spielplan auf die Beine stellen." Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch, heißt es schon bei Hölderin. Tatsächlich glückte Bergmann die erste Spielzeit 2014/15 besonders gut. Das Burgtheater wurde vom renommierten Branchenblatt "Theater heute" prompt zum "Theater des Jahres" gewählt. Stücke wie "Die lächerliche Finsternis", "die unverheiratete" und "John Gabriel Borkman", das mit dem Nestroy ausgezeichnet und zum Berliner Theatertreffen geladen wurde, sorgten für Furore.

"Jetzt komme ich peu à peu dazu, meine Ideen und Projekte umzusetzen", so Bergmann weiter im Interview. In den darauf folgenden Spielzeiten, als ihre interimistische Direktion in eine reguläre Intendanz überführt wurde, holte sie mit Martin Kušej und Claus Peymann große Namen zurück ans Haus, förderte gezielt Nachwuchsautoren und junge Regisseure und achtete darauf, dass auch Frauen zum Zug kamen. In der vergangenen Spielzeit vermochte sie Glanzlichter zu setzen mit "Diese Geschichte von ihnen", in der laufenden ließ sie etwa mit der Melle-Uraufführung "Die Welt im Rücken" aufhorchen.

Das Leitungsduo Karin Bergmann und der kaufmännische Direktor Thomas Königstorfer konnten dank harter Sparmaßnahmen und Finanzspritzen das Minus auf 1,6 Millionen Euro reduzieren. 6,4 Millionen sparte das Haus ein, den Rest schulterte die Holding. Bis zur Hofübergabe am 1. September 2019 will man ganz schuldenfrei sein. Von den Bewerbern wird, neben den üblichen Voraussetzungen wie Theatererfahrung und Führungskompetenz, auch explizit die Erschließung von Drittmitteln erwartet.

Das beliebte Rätselraten rund um den kommenden Burgtheater-Direktor mag beginnen; Karin Bergmann freut sich jedenfalls "auf die nächsten zwei Jahre, die aufregende Begegnungen bringen werden".




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Dokument erstellt am 2017-04-19 16:39:05



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