• vom 07.05.2017, 17:08 Uhr

Bühne

Update: 10.05.2017, 16:18 Uhr

Opernkritik

Balsamischer Klangteppich




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Von Rainer Elstner

  • Jonas Kaufmanns umjubelte Rückkehr als Cavaradossi.

Diven-Auftritt: Jonas Kaufmann, Angela Gheorghiu.

Diven-Auftritt: Jonas Kaufmann, Angela Gheorghiu.© Michael Poehn Diven-Auftritt: Jonas Kaufmann, Angela Gheorghiu.© Michael Poehn

Die Stimmung in der Wiener Staatsoper vor der "Tosca" am Freitagabend war aufgekratzt. Es gab offene Fragen: Wie steht es um Jonas Kaufmanns Stimme (nach seiner Zwangspause wegen eines Hämatoms auf den Stimmbändern sang er erstmals wieder im Haus am Ring)? Und würde der deutsche Tenor seine Arie "E lucevan le stelle" so wie im April 2016 wiederholen? Damals kam es zum Eklat, weil die Tosca Angela Gheorghiu nach dem da capo nicht rechtzeitig auf der Bühne erschienen war. Kaufmann improvisierte: "Ah! Non abbiamo un soprano." Wir haben keinen Sopran.

Nun also wieder eine "Tosca"-Serie mit Kaufmann und Gheorghiu. Clemens Unterreiner legte als Cesare Angelotti einen stürmischen Auftritt hin, Paolo Rumetz zeichnete einen grummelnden Mesner in Gewissensnot. Marco Vratogna porträtierte den Scarpia mit elegant geführter Stimme als verschlagenen Komplexler. Dirigent Eivind Gullberg Jensen gab mit kraftvoll-klarer Zeichengebung - als erster norwegischer Maestro - sein Staatsopern-Debüt. Der zweite Akt in den Gemächern Scarpias litt an der autistisch wirkenden Divenhaftigkeit der stimmlich souveränen Gheorghiu. Ihre Tosca schien mehr Sorge um den Faltenwurf ihres Kleides zu haben als um ihren gefolterten Cavaradossi.


Erste Bewährungsprobe für Kaufmann: Seine markigen "Sieg"-Rufe bewiesen, dass die Erkrankung keine Spuren hinterlassen hat. Für die Sternenanbetungs-Arie legte das hochmotivierte Orchester Kaufmann einen balsamischen Klangteppich zu Füßen, Klarinettist Daniel Ottensamer ließ darüber ein bezauberndes Solo schweben. Kaufmanns schier endloser Atem und die bruchlosen Registerwechsel sorgten für Applaus wie anno 2016, aber für kein da capo: Der Sänger beendete den Jubel mit einem entschuldigenden Achselzucken. Und Gheorghiu? Sie bekam Auftrittsapplaus für ihr rechtzeitiges Erscheinen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-07 17:12:06
Letzte nderung am 2017-05-10 16:18:05



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