• vom 08.05.2017, 16:15 Uhr

Bühne

Update: 08.05.2017, 17:24 Uhr

Opernkritik

Der Walkürenfelsen als Prüfstein




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  • Die Staatsoper setzt ihre "Ring"-Serie fort - mit einem soliden "Siegfried".

Exzentrischer Mime: Ablinger-Sperrhacke.

Exzentrischer Mime: Ablinger-Sperrhacke.© Pöhn/Staatsoper Exzentrischer Mime: Ablinger-Sperrhacke.© Pöhn/Staatsoper

(irr) Um es aus gegebenem Anlass zu erwähnen: Es ist Unfug, Kinder in den "Siegfried" mitzunehmen - es sei denn, diese Junioren sind ausgewiesene Opernnarren. Sonntagabend, erster Akt: Eine zirka Zehnjährige sitzt im Parkett der Staatsoper. Sie tratscht. Akt zwei: Sie wetzt. Akt drei: Mittlerweile völlig zermürbt, dreht sie ihr Handtäschchen hin und her. Beim Hinausgehen tippt sie sich mit einem Finger gegen die Stirn. Falls diese Geste ihren Peinigern gegolten hat - jenen Menschen also, die sie in ein Festtagskleid samt Mascherl gesteckt und durch einen viel zu komplexen, viel zu ewigen Stillhalte-Abend gequält haben -, war der Finger angemessen.

Gewiss: Der fünfstündige "Siegfried" mit dem Ende am Walkürenfelsen ist auch für Erwachsene ein Prüfstein. Vor allem für die auf der Bühne. Hut ab vor Stefan Vinke: Die Staatsoper hat in ihm einen Marathonmann gefunden für den dritten Teil des "Ring des Nibelungen". Mögen die Bedenken Brünnhildes (teils forciert: Petra Lang) das ohnehin späte Liebes-Happyend noch weiter hinauszögern: Vinke ficht dies nicht an. Er entstößt sich die finalen Jauchzer, als hätte eben erst sein Dienst begonnen. Nur leider: Dieser Ausbund an Robustheit ist kein Garant von Schönklang oder Präzision. Dafür aber spielt er den Siegfried mit Jugend-Elan und einem Schuss Slapstick.

Information

Siegfried
Wiener Staatsoper (01/5131513)
Weitere "Ring"-Abende bis 5. Juni

Wolfgang Ablinger-Sperrhacke legt den Ziehvater ebenfalls wendig an - und er klingt auch so: ein Mime als Mix aus Häme, Hinterlist und Exzentrik mit gewisser Nähe zur "Rocky Horror Picture Show". Zweites Trumpfass des Abends: der Klang von Tomasz Konieczny, konturiert und panzerbrechend wie sein Wotanspeer. Wer gewöhnt ist an dieses herbe, harzige Timbre, für den gibt es kaum einen besseren Göttervater. Beachtlich auch, mit welcher Hingabe Sorin Coliban (Fafner), Jochen Schmeckenbecher (Alberich) und Okka von der Damerau (Erda) ihre Rollen füllen. In Summe ein achtbarer Abend, vor allem auch dank Dirigent Peter Schneider: Er steuert das Orchester schnittig und punktuell auftrumpfend durch die Partitur.





Schlagwörter

Opernkritik, Ring, Staatsoper, Wagner

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-08 16:21:08
Letzte Änderung am 2017-05-08 17:24:59


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