• vom 19.05.2017, 15:44 Uhr

Bühne

Update: 19.05.2017, 19:15 Uhr

Performeum-Eröffnung

Wo geht’s hier bitte zur Ekstase?




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Von Petra Paterno

  • Wiener Festwochen eröffnen den Spielort Performeum mit Hamam-Zelt, Queer-Club und Party.

Ritual und Realität: US-Performer Wendell Cooper traktiert in "House of Realness" die Klangschalen. - © Ian Douglas

Ritual und Realität: US-Performer Wendell Cooper traktiert in "House of Realness" die Klangschalen. © Ian Douglas

Hinter dem Hauptbahnhof, vis à vis des Rotlicht-Etablissements "Claudias Bar", befindet sich in der Laxenburgerstraße 2a der Eingang ins Performeum. Die neue Spielstätte der Wiener Festwochen, ein stimmungsvoller Backsteinbau, ist Veranstaltungsort, Festwochenzentrum und Partyzone.

In einer der sonst leer stehenden Fabrikshallen ist ein mobiles Hamam aufgebaut. Hamam-Besucher, die ersten treffen gegen 18 Uhr ein, geben ihre Sachen ab und betreten den pastellfarbenen Wellness-Kultur-Raum mit Badebekleidung. Der 140 Quadratmeter große aufblasbare Raum besteht aus drei Kuppeln, in der die traditionelle orientalische Badekultur so gut es geht simuliert wird.

Für Massagen und Waschungen gibt es bald Wartelisten. Im Eingangsbereich kann man mit etwas Glück eine Shiatsu-Anwendung erleben. Dann gibt es noch Tee. Im Programmheft werden verheißungsvoll klingende Begegnungen mit der Wahrsagerin Sabuha Salaam oder der Orient--Theoretikerin Dina El-Najjar angekündigt. Von 18 bis 20 Uhr tritt jedenfalls keine der beiden in Aktion. Außer improvisiertem Hamam-Betrieb passiert in diesen beiden Stunden eigentlich nicht viel. Will das Ganze eine Lektion in Geduld und Gelassenheit sein? Sollen wir uns in der hohen Kunst des Wartens üben? Viele Fragen, leider keine Antworten.

Queere Riten

Das "House of Realness"...

Das "House of Realness"...© Thomas Seifert Das "House of Realness"...© Thomas Seifert

Bald weiß man mehr: Bei diesen Festwochen geht es um Großes. "Wir wollen die Welt verändern", zeigt sich Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin in seiner Eröffnungsrede nicht gerade bescheiden. Programmatisch siedelt er das Performeum zwischen Arena 70 und Big Motion an. Damit verweist der Neo-Intendant auf zwei der bedeutendsten Festwochen-Errungenschaften: In der Arena 70 wurde die Gegenkultur der 70er Jahre programmiert, hier fand die Initialzündung der Arena-Bewegung statt; Big Motion zeigte avancierte internationale Avantgarde der 1980er und 1990er Jahre. Die Latte liegt damit wirklich hoch.

Spätestens um 21 Uhr, als der nächste Programmpunkt "House of Realness" beginnen sollte, sind die Performeum-Hallen rappelvoll. Toute Vienne est là. Nach endloser Warterei drängt die Menge schließlich in Halle vier. Hinter einem Lamettavorhang hängen Nebelschwaden und Weihrauchdüfte schwer in der Luft. Auf zwei Bühnen werden abwechselnd pseudospiritueller Sing-Sang und Klangschalentöne produziert. Dazu stolziert ein Performer im Fantasiekostüm über einen Laufsteg.

...hatte durchaus irreale Aspekte.

...hatte durchaus irreale Aspekte.© Thomas Seifert ...hatte durchaus irreale Aspekte.© Thomas Seifert

Nach 20 Minuten sind die laut Programmheft "ekstatischen queeren Riten" auch schon wieder vorbei. Etwa bis Mitternacht finden im Rahmen von "House of Realness" noch Mini-Konzerte statt sowie eine Art Queer-Burlesque, bei der - Achtung: Wagemut - ein Kothaufen aus Plastik abgesondert wird.

Gut möglich, dass das von US-Kurator Ben Pryor entwickelte Varieté-artige Programm im New Yorker Nachtleben ein angesagtes Event ist. Gewiss war die Performeum-Eröffnung auch eine gelungene Party, aber der künstlerische Mehrwert der Bemühungen ist fraglich.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-05-19 15:48:06
Letzte nderung am 2017-05-19 19:15:06



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