"Spannender, manchmal schweißtreibender" Job: Volksoperndirektor Robert Meyer. - © Robert Newald
"Spannender, manchmal schweißtreibender" Job: Volksoperndirektor Robert Meyer. - © Robert Newald

Wien. Die Volksoper hebt wieder einmal ein Werk aus der Taufe: Morgen, Samstag, zeigt sich am Währinger Gürtel erstmals "Die fünfte Jahreszeit", eine "BaRockoper" von Christian Kolonovits. Der heimische Komponist, Dirigent und Arrangeur zwischen E- und U-Musik hat dem Haus mit seinem Kinderstück "Antonia und der Reißteufel" schon einen Erfolg beschert; diesmal nimmt er sich des Lebens von Antonio Vivaldi an. Ein Gespräch mit Direktor Robert Meyer, der das Stück mit Drew Sarich in der Hauptrolle inszeniert.

"Wiener Zeitung": Sie zeigen eine Uraufführung mit einem Musical-Star in der Hauptrolle - machen Sie jetzt den Vereinigten Bühnen Wien Konkurrenz?

Robert Meyer:Nein. Drew Sarich ist einfach die Idealbesetzung für Vivaldi, auch Christian Kolonovits wollte ihn. Sarich hat die Stimme, die Ausstrahlung und die unglaubliche Kraft für diese Partie, außerdem klingt er, trotz seiner amerikanischen Herkunft, auf Deutsch unglaublich textdeutlich.

"Die vier Jahreszeiten" sind Vivaldis größter Hit. Was aber ist die "Fünfte" und wie klingt sie?

Es steckt viel Pop- und Rockmusik drin, aber auch reichlich Vivaldi. Was die "fünfte Jahreszeit" bedeutet? Es geht darum, was nach dem Tod Vivaldis mit seiner Musik passiert, wenn sie in den Herzen der Menschen weiterlebt. Wenn man das Leben Vivaldis in Jahreszeiten einteilt, könnte man sagen: Der Frühling war seine Kindheit und Jugend mit frühem Ruhm, der Sommer seine Hochzeit, in der er viel komponiert und verdient hat. Der Herbst ist dann die Phase des Niedergangs, in der Vivaldi, der Musiker und Priester, gegen die Kirche wettert und mit Auftrittsverboten belegt wird - wobei er außerdem mit zwei Frauen unterwegs war. Als Winter kann man dann jene Zeit deuten, in der er nach Wien reiste in der Hoffnung, in Kaiser Karl VI. einen neuen Unterstützer zu finden. Als Vivaldi hier ankam, war der Monarch aber schon tot.

Inszenieren Sie Vivaldi als Superstar - ungefähr so, wie Falco einst "Amadeus" besang?

Auch Vivaldi war ein Superstar. Bei uns trägt er fast immer Soutane, hat aber leuchtend rotes Haar und wirkt rotzfrech. Die Ausstattung lässt Heute und Gestern verschwimmen; Christof Cremer hat heutige, barockisierte Kostüme entworfen und wahnwitzige Barockperücken. Die Musik ist zum großen Teil sehr fetzig, aber ich denke nicht, dass wir damit unser älteres Publikum vertreiben. In der Generalprobe habe ich jedenfalls bemerkt: Was die Kids wollen, das ist Sarichs Art zu singen - das hatten wir hier in den Vorjahren nicht.