Es gibt Theaterprojekte, die klingen theoretisch ungemein spannend, aber erweisen sich in der Praxis als erhebliche Bühnenflops. Ein Beispiel dafür ist "Die selbsternannte Aristokratie", ein Festwochen-Gastspiel der Truppe La Fleur, das nun in der Halle G im Museumsquartier zu sehen ist.

Die kosmopolitische Theaterformation - La Fleur hat Darsteller aus Paris und der Elfenbeinküste, aus dem Kongo sowie aus New York und Hamburg - bringt Honoré de Balzacs düstere Erzählung "Das Mädchen mit den Goldaugen" auf die Bühne. Der Text handelt von einem erotischen Abenteuer, das für die Titelheldin tödlich endet. Bekannt wurde der Text vor allem dafür, dass der große französische Romancier darin die sozialen Schichten seiner Zeit ausführlich beschrieb.

Die 16-köpfige Truppe setzt die Geschichte mit den Mitteln des Erzähltheaters um, kombiniert mit Couper-Decaler-Szenen. Der neuartige Musik- und Tanzstil erinnert an Stammestänze vermischt mit Hip-Hop-Elementen, und wurde von Künstlern der Elfenbeinküste in der Pariser Diaspora entwickelt. Die schillernd-armseligen Kostüme zitieren die afrikanische Sapeur-Bewegung, das sind die Dandys der Slums, die in Edel-Anzügen durch die Ghettos streifen.

Das Problem des ambitionierten Unternehmens: Die Erzählung aus 1832 und die Lebenswirklichkeit der Akteure 2017 verbinden sich nicht zu einem sinnfälligen Ganzen. Die zweistündige Aufführung bleibt ziemlich beliebig, wirkt mitunter sogar unfreiwillig komisch und eigentümlich laienhaft.

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Die selbsternannte Aristokratie

Museumsquartier, Wh.: 3. Juni