• vom 11.06.2017, 10:56 Uhr

Bühne

Update: 11.06.2017, 10:57 Uhr

Theaterkritik

Springball und Prellbock




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Von Hans Haider

  • Tanzgastspiel aus Brasilien bei den Festwochen.

Unglaublich: Der trainierte Männerkörper als Wurfgeschoss, Prellbock, Sprungfeder, Drillbohrer, Springball, Pfitschepfeil, Fangkorb. Dagegen verblassen Stuntmen in Kung-Fu-Thrillern und in "Planet der Affen" als müde Brüder. Der Brasilianer Bruno Beltrao steuert mit seinem "Grupo de Rua" auf Grenzen menschenmöglicher Bewegungs-Artistik zu. Aus "New Creation: INOAH", dem Titel dieses Gastspiels bei den Festwochen, leuchtet die "Schöpfung" hervor. Archaisch die Bildpoesie, weil die Explosionsmotorik nichts und niemand anschiebt.

Doch auf symphonische Weise von Satz zu Satz Wechsel des Tongeschlechts. Der erste Brumm aus den Boxen (Soundtrack: Felipe Storino) erinnert an einen auf der Startbahn anrollenden Riesenjet. Später tönt es auch lieblicher. Zärtlichkeit, damit auch Gefühlskitsch, fehlt auf dem Tanzbodenquadrat. Rasches kühles, wie gefühlloses Aufeinanderzugehen, Sich-Anspringen, und ebenso rasches Sich-Trennen. Einmal scheinen drei im militärischen Gleichschritt zu marschieren. Auch das nicht aggressiv. Die kaum überbietbare Dynamik atmet erdzeitalterliche Ruhe. Ein Paradox, im Kopf nicht nachvollziehbar, doch atemraubend schön.

Information

New Creation: INOAH
Von Bruno Beltrao
Grupo de Rua
Wiener Festwochen im MQ
www.festwochen.at
Bis 12. Juni 

Die Kostüme Marcelo Sommers: Hosenröcke, unisex, mönchisch, ab und an ein cremeweißes unter den dominierenden dumpfen Farben. Die Rasanz der aus Hip-Hop und Straßentanz in Armenvierteln abgeleiteten 50-Minuten-Show bremst sich immer wieder ein. Als wollte die Schöpfung, Welle für Welle, neue Menschenwesen in die Freiheit der Bewegung entlassen. Bis zum Homo sapiens erectus ist es noch weit.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-06-11 10:57:39
Letzte nderung am 2017-06-11 10:57:45



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