Eigentlich bietet es sich ja an, den "Don Pasquale" feministisch aufzuladen. Die Quintessenz der Oper von Gaetano Donizetti: Der alternde Protagonist soll für seinen Geiz und seine kühne Vorstellung, sich mit einer jungen Frau zu verheiraten, büßen. Ein Plan ist schnell ausgeheckt, eine Scheinehe arrangiert. Die Schein-Ehefrau Norina macht sich über Don Pasquale lustig, wo es nur geht, ihr Geliebter Ernesto steht ihr dabei zur Seite.

An der Staatsoper wurde diese weibliche Dominanz noch dadurch gesteigert, dass die aktuelle Aufführungsserie von der Italienerin Speranza Scappucci dirigiert wird; die Regie stammt mit Irina Brook ebenfalls von einer Frau.

Flatterhafte Aufführung


Insgesamt wirkte die erste Aufführung flatterhaft, noch verstärkt durch die zahlreichen Slapstick-Elemente der Schauspieler und ein unruhiges Orchester, das bei Einsätzen mit den Sängern oft das Nachsehen hat. Selbst in Momenten der Ruhe, etwa wenn der Trompeter mit Ernesto allein auf der Bühne im Dialog steht, stellt sich keine Poesie ein. Michele Pertusi brilliert als erst rüpelhafter, dann überforderter und schließlich gebrochener Pasquale in der schillernden Inszenierung, die nicht davor zurückschreckt, Norina ihren Gatten mit Stöckelschuhen bedrohen zu lassen. Letztere wird von Danielle de Niese verkörpert, die anfangs etwas Zeit braucht, bis sie warmgesungen ist, letztendlich aber mit dieser Aufführung ein passables Debüt an der Staatsoper gibt. Die wichtigsten Aufgaben des Abends waren in Frauenhand - schade nur, dass es immer bei Ausnahmen bleibt.

Oper

Don Pasquale

Wiener Staatsoper

Wh.: 14. und 16. Juni