Intensiv: Waltraud Meier (links), Nina Stemme. - © Staatsoper/M. Pöhn
Intensiv: Waltraud Meier (links), Nina Stemme. - © Staatsoper/M. Pöhn

Diese Titelunheldin brachte es im Haus am Ring auf den Punkt: "Ob ich die Musik nicht höre? Sie kommt doch aus mir!" Nina Stemme bot alles an stimmlicher wie auch darstellerischer Überzeugungskraft in Uwe Erics Laufenbergs banalem Pathologie-Museum voller Paternoster-Atmosphäre - und gab das Motto des Abends vor. Mit welcher Wucht prasselte diese unglaubliche Partitur des klassischen Strauss-Hofmannsthalschen Einakters "Elektra" nieder - unter dem enthusiastischen Dirigat von Michael Boder bisweilen mit mehr Wucht denn Detail.

Auch die anderen Sänger auf der Bühne waren alle in diesen Bann gezogen: Regina Hangler als zweifelnde Chrysothemis, der einwandfreie Aegisth von Herbert Lippert, ein unglaublich heroischer Orest von - nomen est omen - Alan Held (fesselnder Retter in guter Begleitung von Wolfgang Bankl). Fein waren auch die Nebenrollen von Zoryana Kushpler (Schleppträgerin) bis Ildikó Raimondi (als wunderbare treue Magd) besetzt: Bei so viel Kraft der gequälten Seelen, verfallen zwischen Liebe, Wahn und Rachegefühlen, wollte kein Protagonist des Abends hintanstehen. Schließlich galt es, die große Rollendebütantin zu begrüßen. Waltraud Meier hatte in der Rolle der bösen Gattenmörderin, aber auch Mutter einiges zu bieten. Intonierte sie an den richtigen Stellen dämonisch diskret, offenbarte sich bald eine weitere Qualität des Abends: Mit besonderer, fast referenzartiger Intensität lebten Elektra und Klytämnestra den zerstörerischen Konflikt Mutter/Tochter und ließen das Wiener Publikum gedankt mitleiden.

Zum Abschluss des schaurig-schönen Spektakels überreichte Staatsoperndirektor Dominique Meyer anlässlich ihres 30-jährigen Bühnenjubiläums Meier vor Ort die Ehrenmitgliedschaft des Hauses am Ring.

OPER

Elektra

Wiener Staatsoper

Termine 23. und 26. Juni