Das Sommerwetter ist in Wien längst angekommen, nun beginnt die Jahreszeit auch künstlerisch: Die Festivals rund um die Stadt nehmen ihren Betrieb auf. Wie jedes Jahr reicht das Spektrum vom Laien-Schwank bis zur Tragödie für höchste Ansprüche, vom Musical-Spaß in der lokalen Mehrzweckhalle bis zum gediegenen Abend für Opernfreunde, die ihr Stammhaus während der Ferienmonate entbehren müssen.

Die größten Tanker der Festival-Armada stehen im Burgenland: Dort hofft die Riesentribüne von Mörbisch, ab 7. Juli wieder tausende Operettenfreunde zu beherbergen, der Römersteinbruch St. Margarethen buhlt ab 12. Juli um kolonnenweise Opernfans.

Das Theaterfest Niederösterreich hat dagegen an manchen Orten schon begonnen. In Melk, Baden und Laxenburg zeigt sich das blau-gelbe Bundesland mit der enormen Vielfalt an Sommer-Spielorten bereits aktiv; der Großteil der Veranstalter lässt seine Premieren hier allerdings erst zwischen Ende Juni und Mitte Juli vom Stapel laufen.

Dabei unterscheiden sich nicht nur die Programme, sondern auch die Spielorte teils erheblich: Während es an dem einen Ort gilt, Gelsen, Sonnenbrand und einen potenziellen Wolkenbruch zu gewärtigen, weilt man andernorts unter einem soliden Dach oder zumindest einer wasserdichten Zeltplane. Und während das Auto für die eine Festival-Visite unerlässlich ist, kann man es für die andere - Shuttle-Service, Bus oder Schnellbahn sei Dank - getrost zuhause lassen.

Nur: Bei welchem Veranstalter sieht es wie aus? Wer spielt Theater, wer Musik, wo lockt eine Komödie, wo setzt es Schicksalsschweres? In der Folge eine Auswahl an Wien-nahen Festivals, ausgeschildert anhand von praktischen Kriterien - und mit einigen Empfehlungen der "Wiener Zeitung"-Kulturredaktion.

Festspiele Reichenau:Das Intendantenpaar Peter und Renate Loidolt nützt den Genius loci des Kurortes seit fast drei Jahrzehnten. Unbestritten gehören ihre Festspiele zu den Höhepunkten des Sommertheaters rund um Wien. Heuer steht Schnitzlers "Im Spiel der Sommerlüfte" mit Julia Stemberger und Marcello de Nardo auf dem Spielplan sowie "Baumeister Solness", Horváths "Zur schönen Aussicht" und "Lady Chatterley" mit Katharina Straßer in der Titelrolle.

(Restkarten unter der Telefonnummer 02666/52528)

Nestroy-Spiele Schwechat: Die Laienbühne packt "Weder Lorbeer noch Bettelstab" mit Schmäh.

(Karten dafür sowie für alle weiteren hier erwähnten Festivals des Theaterfests NÖ: 01/96096-111)

Theatersommer Haag: Handfeste Unterhaltung mit Christian Dolezal als Don Quijote.

Raimundspiele Gutenstein: Aktrice Andrea Eckert punktet mit "Alpenkönig und Menschenfeind"

Filmhof Wein4tel Asparn: Komödienexpertin Vicki Schubert inszeniert Neil Simons "California Suite" mit Eva Maria Marold.

Operklosterneuburg: Das Festival serviert mit Rossinis "Le Comte Ory" ein heiter-frivoles Werk; mit Sängern wie Daniela Fally und Dirigent Christoph Campestrini dürfte die Qualität gesichert sein.

Seefestspiele Mörbisch: Intendantin Dagmar Schellenberger steht für gediegene Operetten-Produktionen mit Showeffekt. In ihrem letzten Sommer zeigt sie auf der großformatigen Bühne Carl Zellers Klassiker "Der Vogelhändler" mit Evergreens wie "Rosen in Tirol".(02682/66210)

Oper St. Margarethen: Auch das burgenländische Nachbarfestival bespielt eine kolossale Bühne, nämlich den Römersteinbruch. Dort gibt es heuer Verdis "Rigoletto", Regie führt der renommierte Philippe Arlaud. (02682/65065)

Stift Altenburg: Bernd R. Bienert zeigt mit der Gruppe Teatro Barocco ein Mozart-Frühwerk; er müht sich nicht nur um Originalklang, sondern auch Bilder wie zur Rokoko-Zeit. (0699/18396969)

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