Wunderterzett mit Daniela Fally (v. l.), Margarita Gritskova und Iurie Ciobanu. - © Lukas Beck
Wunderterzett mit Daniela Fally (v. l.), Margarita Gritskova und Iurie Ciobanu. - © Lukas Beck

An Tieren hätten wir: Etliche Krähen, den Schlafplatz aufsuchend, drei Turmfalken, ungezählte Nachtschmetterlinge, ein paar Fledermäuse, sich an diesen delektierend, und einen beinahe echten Esel. Letztgenannter gehört zur Inszenierung von Gioacchino Rossinis "Le Comte Ory", die François de Carpentries für die Oper Klosterneuburg in den Hof des Stiftes stellt. Schon pikant, wenn gerade an diesem Ort während des Gewitters im zweiten Akt der Teufel höchstselbst die Nonnen jagt. Gerade können sie ihm noch davonradeln. Ob man als Freiluft-Veranstaltung mit einem Opern-Gewitter das Wetter provozieren sollte, steht auf einem anderen Blatt. Aber der kurze Guss vor Beginn war eher erfrischend, ehe Rossini mit seiner Schürzenjäger-Verwechslungskomödie die rechte Kost für einen heißen Sommerabend kredenzte.

Hans Kudlichs Bühnenbild auf der Klosterneuburger Schräge ist schnickschnackfrei. Alles konzentriert sich auf die Personen (und den beinahe echten Esel, naturgemäß). Und wenn Rossinis Esprit hie und da nachlässt, täuscht de Carpentries mit einem Regiegag über die Flaute weg. Handverlesen sind die Hauptrollen. Vor allem Daniela Fally als Comtesse Adèle triumphiert mit locker leichten Koloraturen in abenteuerlichen Höhenlagen - und ihr Auftreten: Als habe Madame ganz bewusst einen Tupfer Parfum zuviel aufgelegt.

Da versteht man schon, dass Iurie Ciobanu als Comte Ory sie einfach nur noch haben will und sich mit Erfolg um ähnliche Höhenflüge bemüht. Doch alles Tenorsteron hilft diesem Grafen nicht, am Ende bekommt Isolier die schöne Gräfin, und Margarita Gritskova singt das so, dass man völlig zufrieden sein kann mit dem Ausgang. Das Terzett der drei gegen Ende - ein Wunder unterm Sternenhimmel war’s. Das zu einem sehr guten Teil auch, weil Dirigent Christoph Campestrini für wunderbare Balancen sorgt und Rossinis Musik prickeln lässt wie Champagner. Ganz präzise kommen die Pizzicati, und die Streicher begleiten einmal nicht als Riesenharfe mit pauschaler Sauberkeit, weil’s ohnedies nur auf die Stimmen ankommt, sondern mit federnden Rhythmen, anstupsend, treibend, fordernd - und dann dürfen die Holzbläser auch einmal schwelgen und Hörner und Posaunen auf dunkel leuchtenden Akkorden verweilen. Die Musiker der Beethoven Philharmonie (der ehemaligen Sinfonietta Baden) spielen das einfach wunderbar! Da gibt der beinahe echte Esel passend sein I-a dazu. Bis in die Nebenrollen ist die Aufführung perfekt: Peter Kellner (Gouverneur), Martin Achrainer (Raimbaud), Carole Wilson (Ragonde) und Florina Ilie (Alice) entwerfen glänzende Charakterstudien und singen fulminant, und der Chor (einstudiert von Michael Schneider) setzt dem Ganzen noch dazu Glanzpunkte auf: Das A-cappella-Ensemble im ersten Akt - Menschenskind, so muss man das erst einmal hinkriegen! Womit die Oper Klosterneuburg einen neuen Schlager hat, der einen Publikumsansturm zum 20-Jahr-Jubiläum verspricht. Dementsprechend feierte man den Intendanten Michael Garschall zu Beginn ziemlich ausführlich. Ist ja aber auch fulminant, was er da aufgebaut hat. Und zu guter Letzt gab’s Ovationen für alle. Eingeschlossen den beinahe echten Esel, falls der noch nicht erwähnt worden sein sollte.