• vom 14.07.2017, 16:25 Uhr

Bühne

Update: 14.07.2017, 16:40 Uhr

ImPulsTanz

Ich glaub’, mich knutscht der Fabre




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Von Verena Franke

  • Das Impulstanz-Festival eröffnet mit Jan Fabres zungenakrobatischer Soloperformance "I am a mistake".

Jan Fabres Kussmarathon.

Jan Fabres Kussmarathon.© Karolina Miernik Jan Fabres Kussmarathon.© Karolina Miernik

Jan Fabre ist wie ein Überraschungsei: Man weiß, dass es einem prinzipiell einmal schmecken wird. Doch was letztlich drinnen steckt, bleibt ein Rätsel, bis man es geöffnet hat: Ist es ein interessantes Bastelstückchen, ein süßes Figürchen, oder doch etwas Undefinierbares für den Müll? Die Überraschung ist so oder so immer groß. Auch im Leopold Museum zur Eröffnung des Impulstanz-Festivals am Donnerstag.

Im feinen Zwirn und
mit Eselsohren

Information

Performance
Jan Fabre: I am a mistake
Leopold Museum im Rahmen des Impulstanz-Festivals

"I am a mistake", quäkt der belgische Theatermacher da aus einem Eck in der Eingangshalle. Nicht sichtbar für die meisten Zuseher, denn das Publikum hat etwas anderes erwartet: Diszipliniert platzierte es sich halbkreisförmig vor einer Leinwand, die ganz offensichtlich Teil der Performance sein musste. "I am a mistake - I-ah, I-ah", hört man nach einiger Zeit aus einer anderen Ecke, man drängt vor und sieht den Allroundkünstler im feinen Zwirn mit Krawatte und Lackschuhen - und großen weißen Eselsohren. Er kniet mit dem Gesicht zur Wand, danach wechselt er unaufgeregt seine Position: Nun liegt er mit ausgestreckten Beinen und dem Gesicht am Boden. Fernsehkameras drängen sich an den Zusehern oft rüpelhaft vorbei, eine davon liefert das Bild der Performance auf die Leinwand und die Bildschirme in den unteren Etagen des Leopold Museums. "I am a mistake" - Ich bin ein Fehler - betet Jan Fabre mantrahaft, doch er schreit es heraus: weil er keine Mode mag, weil er Nachrichten nicht vertraut, weil er selbst sein größter Feind ist, fügt er dem Satz abwechselnd hinzu.

Dann wechselt er in die untere Etage, die Zuseher folgen ihn. Es ist eine Fabre-Prozession. Er kniet nun in der Ecke zwischen Koloman Mosers "Venus in der Grotte" und Hans Makarts "Frau in schwarzer Robe" mit dem Gesicht zur Wand nieder und gesteht: "Ich bin ein Fehler, denn ich liebe es österreichische Frauen im Dirndl zu küssen." Und wie per Zufall, der natürlich keiner ist, findet sich noch eine Etage tiefer genauso eine. Er nimmt ihr Gesicht in beide Hände und beginnt sie zu küssen. Während sie einander abknutschen und Zungenspielchen vorführen, tanzen sie einen L’Amour-Hatscher, legen sich hin, stehen wieder auf und wechseln die Etage, kriechen auf allen vieren. Ohne auch nur einmal die Lippen des anderen zu verlassen.

Nach einer Stunde Kussprozession gilt die Aufmerksamkeit des Publikums eher den eigenen kleinen Grüppchen, die sich angeregt unterhalten. Fabre knutscht indes weiter, bis er nach einer gefühlten Ewigkeit mit der Dirndlperformerin im Damenklo verschwindet.

Mehr als eine Stunde Kussmarathon hat in Sachen Kusstechnik keine Neuerungen gebracht, bezüglich der Performance hörte man von den wenigen gebliebenen Besuchern der Eröffnungsperformance ein müdes und resignierendes "Ein Fabre halt".





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-07-14 16:30:13
Letzte nderung am 2017-07-14 16:40:30



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